Antibiotika

Clarithromycin: Achtung bei Herzkranken!

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Die Empfehlung der FDA basiert auf einer Überprüfung der Ergebnisse einer 10-Jahres-Analyse von Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) aus der sogenannten Claricor-Studie. In der großen klinischen Untersuchung wurde ein unerwarteter Anstieg der Todesfälle bei Patienten mit KHK beobachtet, die für die Dauer von zwei Wochen Clarithromycin in der Dosis 500 mg erhielten. Der Wirkstoff wird zur Behandlung vieler Arten von Infektionen eingesetzt, die Haut, Ohren, Nebenhöhlen, Lungen und andere Körperteile betreffen.

Die Fälle traten ein, nachdem die Patienten ein Jahr oder länger beobachtet worden waren. Der Behörde zufolge bleibt es unklar, warum die Einnahme des Antibiotikums im Vergleich zu Placebo zu mehr Todesfällen führt. Zudem gab es einige Observationsstudien, die auch eine Zunahme von Todesfällen oder anderen schweren Herzproblemen heraus fanden, während andere dies nicht taten.

Alle relevanten Studien hatten Limitierungen. Von den sechs Beobachtungsstudien, die bisher bei Patienten mit oder ohne KHK veröffentlicht wurden, fanden sich zwei Hinweise auf langfristige Risiken von Clarithromycin und vier nicht, wie die FDA mitteilt.

Insgesamt liefern die Ergebnisse der prospektiven, placebokontrollierten Clariclor-Studie den stärksten Beweis für den Risikoanstieg im Vergleich zu den Ergebnissen der Beobachtungsstudie. Basierend auf diesen Studienergebnissen könne die FDA jedoch nicht feststellen, warum das Sterberisiko für Patienten mit Herzerkrankungen größer ist.

Aus früheren Studien ist bekannt, dass Patienten mit KHK häufiger als andere Antikörper gegen Chlamydia pneumoniae hatten. In atherosklerotischen Plaques haben Wissenschaftler später Keime nachgewiesen. Da Makrolide gegen Chlamydien wirksam sind, lag die Idee nahe, Substanzen wie Clarithromycin und Azithromycin bei der Therapie einzusetzen.

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