Calcineurin-Inhibitoren: Kein erhöhtes Hautkrebs-Risiko | APOTHEKE ADHOC
Topische Anwendung unbedenklich

Calcineurin-Inhibitoren: Kein erhöhtes Hautkrebs-Risiko

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Berlin -

Die Anwendung von topischen Calcineurin-Inhibitoren (TCI) ist nicht mit einem erhöhten Risiko für weißen Hautkrebs verbunden. Das zeigt eine groß angelegte US-Kohortenstudie. Sie belegt damit die Ergebnisse von kleineren Analysen und gibt Entwarnung.

Topische Calcineurin-Inhibitoren (TCI) werden bei atopischer Dermatitis und anderen entzündlichen Hauterkrankungen angewendet. Die wichtigsten Vertreter dieser Gruppe sind Tacrolimus und Pimecrolimus. Sie wirken entzündungshemmend und immunsuppressiv, indem die Wirkung der T-Lymphozyten unterdrückt wird: Durch intrazelluläre Bindung an das Immunophilin Makrophilin-12 wird die calciumabhängige Serin-Threonin-Phosphatase Calcineurin gehemmt. Dadurch wird die Synthese von inflammatorischen Zytokinen in den T-Zellen des Immunsystems blockiert. Außerdem wird die Ausschüttung von Entzündungsmediatoren aus den Mastzellen verringert.

Sichere Alternative zu Kortikoiden?

Häufig gelten TCI als verträglichere Alternative zu Kortikoiden, die bei längerer Anwendung mit einer Atrophie der Haut einhergehen. Unter der Anwendung TCI kann es zu Hautreizungen, Rötungen und Brennen kommen, außerdem steigt aufgrund der immunsuppressiven Wirkung das Risiko für Infektionen der Haut. In der Vergangenheit war jedoch zudem vermehrt über ein möglichweise erhöhtes Risiko für weißen Hautkrebs berichtet worden.

Vor allem die Entstehung von Plattenepithelkarzinomen (SCC) sollen durch die Anwendung begünstigt werden. Das hatten Tierversuche mit hohen TCI-Konzentrationen ergeben. Auch unter der systemischen Langzeittherapie von Calcineurin-Inhibitoren hatte sich eine vermehrte Inzidenz gezeigt. In den USA wurde 2006 daher eine deutliche Warnung gegen TCI ausgesprochen.

Kein erhöhtes Hautkrebs-Risiko

Kleinere Studien hatten danach bereits keinen Zusammenhang zwischen der Anwendung von TCI und weißem Hautkrebs ergeben. Nun konnte auch eine groß angelegte Studie der Harvard Medical School in Massachusetts ähnliche Ergebnisse zeigen. Die Forscher werteten die Gesundheitsdaten von knapp 94.000 Patienten mit atopischer Dermatitis aus den Jahren 2002-2017 aus. Dabei wurden Patienten, die TCI verwendeten mit solchen verglichen, die eine Therapie mit topischen Kortikoiden erhielten.

Im direkten Vergleich konnte kein signifikantes Hautkrebs-Risiko für die TCI ermittelt werden. Auch im Vergleich zu Patienten, die weder TCI noch externe Kortikoide erhielten, zeigte sich keine erhöhte Inzidenz. Cremes und Lotionen mit Calcineurin-Inhibitoren sind den Forschern zufolge somit als sichere Therapieoption bei erwachsenen Patienten mit atopischer Dermatitis einzustufen.

Die atopische Dermatitis ist eine chronische Erkrankung, von der 15 bis 30 Prozent aller Kinder in Industrieländern betroffen sind. In 85 Prozent der Fälle entwickelt sich die atopische Dermatitis vor dem fünften Lebensjahr. Wer unter leichten Ekzemen (Stufe 2) leidet, soll zusätzlich zur Basistherapie mit antiseptischen Wirkstoffen, topischen Glukokortikoiden der Klasse 1 und 2 und/oder Calcineurinhemmern behandelt werden. Moderate Ekzeme (Stufe 3) können zur Basistherapie mit topischen Kortkoiden der Klasse 2 und 3 und/oder Calcineurinhemmern therapiert werden. Bei persistierenden und schwer ausgeprägten Ekzemen kann eine systemische Therapie mit Ciclosporin oder einem monoklonalen Antikörper wie Dupilumab unerlässlich sein.

 

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