Piperacillin: BMG ruft Notstand aus

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Berlin - Ein Lieferengpass kann lebensbedrohlich sein, wenn wichtige Arzneistoffe wie Antibiotika, Zytostatika oder Notfallarzneimittel nicht lieferbar sind. Jetzt hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) für das Antibiotikum Piperacillin den Notstand ausgerufen. Eine Alternative gibt es nicht. Es ist der zweite Krisenfall innerhalb weniger Monate.

Mono- und Kombinationspräparate mit Piperacillin sind zur Zeit nicht erhältlich. Ursache ist ein Betriebsunfall im größten Herstellungsbetrieb des Wirkstoffes. Nachschub ist nicht zu erwarten – bereits im Dezember schlugen die Fachgruppen Alarm. Die Kombination Piperacillin/Tazobactam war nicht lieferbar, alle Vorräte sind längst abverkauft. Ärzte müssen auf Alternativen ausweichen, die ein anderes Wirkspektrum aufweisen und zum Teil Resistenzen verursachen können.

Experten mahnen, das Medikament sei hochwirksam und unentbehrlich. Das bestätigt jetzt auch das Bundesgesundheitsministerium (BMG): „Insoweit wird festgestellt, dass es sich bei piperacillinhaltigen Arzneimitteln um Arzneimittel handelt, die zur Behandlung lebensbedrohlicher Erkrankungen benötigt werden, und dass ein Versorgungsmangel mit diesen Arzneimitteln vorliegt. Eine alternative gleichwertige Arzneimitteltherapie steht, insbesondere im Hinblick auf die Vermeidung von vermehrt auftretenden Resistenzen durch die Verwendung anderer Antibiotika, nicht zur Verfügung.“

Weiter heißt es: „Im Bedarfsfall können daher die zuständigen Behörden der Länder ein befristetes Abweichen von den Vorgaben des Arzneimittelgesetzes (AMG) gestatten, um erforderlichenfalls auch eine Behandlung mit Arzneimitteln zu ermöglichen, die im Geltungsbereich des AMG nicht zugelassen sind.“

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