Risiko Interferenz

Biotin kann Laborwerte verfälschen APOTHEKE ADHOC, 13.03.2019 11:08 Uhr

Berlin - Der menschliche Körper kann Biotin nicht selbst bilden und ist somit auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen. Vitamin H ist aber auch Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln oder selbst als Arzneimittel erhältlich. Doch das wasserlösliche Vitamin kann zu Interferenzen bei klinischen Laboruntersuchungen führen. Der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat daher Empfehlungen für die Änderung der Produktinformation ausgesprochen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte auf europäischer Ebene ein Signalbewertungsverfahren initiiert. Ausgelöst wurde dieses aufgrund einer erhöhten Anzahl von Fallberichten zu verfälschten Ergebnissen von Laboruntersuchungen, wenn die Patienten Biotin eingenommen hatten. Die Interferenzen bergen das Risiko für verzögerte Diagnosestellungen, Fehldiagnosen oder unnötige Behandlungen, schreibt das BfArM im Bulletin zur Arzneimittelsicherheit. Betroffen sind Assays, die auf einem Biotin-Streptavidin-Testprinzip beruhen und beispielsweise für die Bestimmung der Schilddrüsenhormone oder für die Messung kardialer Marker eingesetzt werden.

In dem Immunoassays dienen die Streptavin-beschichteten magnetischen Partikel an der Festphase der spezifischen Erkennung und Bindung von bioinylierten Antikörpern, die wiederum mit dem Analyten gekoppelt sind. Führt der Patient dem Körper Biotin zu, kann das exogene Vitamin H Biointerferenzen verursachen. Denn das Biotin der zu untersuchenden Blutprobe konkurriert mit dem im Assay befindlichen biotinylierten Antikörpern um die Bindungsstellen. Wird ein Sandwichassay verwendet, können falsch niedrige Ergebnisse in der Laboranalyse ermittelt werden. Bei kompetetiven Immunoassays sind falsch erhöhte Werte zu erwarten.

Wie stark das Laborergebnis verfälscht werden kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Mögliche Störeffekte sind beispielsweise die Anwendungsdauer und die verabreichte Biotindosis, der Abstand zwischen der letzten Biotingabe und der Probenentnahme oder auch die Anfälligkeit des im Labor verwendeten Assays.

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