BfArM: Cannabis enttäuscht viele Patienten

, Uhr

Berlin - Die Hoffnungen, die viele Patienten mit der Legalisierung von Cannabis als Arzneimittel verbunden haben, wurden in vielen Fällen offenbar enttäuscht. Das legen Zahlen aus einem kürzlich veröffentlichten Zwischenbericht zur Begleiterhebung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nahe. Demnach brechen vor allem Schmerzpatienten ihre Behandlung häufig ab, entweder wegen mangelnder Wirkung oder zu starker Nebenwirkungen.

Schmerzpatienten bilden laut den BfArM-Zahlen die absolute Mehrheit unter den Cannabis-Anwendern: In rund 69 Prozent der Fälle wurde die Verordnung demnach mit der Diagnose Schmerz begründet. Mit großem Abstand folgen Spastiken (11 Prozent), Anorexie/ Wasting-Syndrom (8 Prozent), Übelkeit/ Erbrechen (4 Prozent) sowie Depression (3 Prozent) und ADHS (2 Prozent). Auf alle anderen Indikationen entfallen jeweils 1 Prozent oder weniger, darunter Epilepsie, Inappetenz, entzündliche Darmkrankheiten, Tourette-Syndrom und Insomnie.

Die ersten Ergebnisse der Begleiterhebung zeigen darüber hinaus, dass es vor allem mittelalte bis ältere Schmerzpatienten sind, die mit Cannabis behandelt werden – und die meist schon eine lange Leidensgeschichte hinter sich haben. Rund 70 Prozent der Betroffenen sind 50 Jahre oder älter, mehr als jeder vierte Patient ist zwischen 50 und 59. Immerhin jeder zehnte ist über 80 Jahre alt. Damit gibt es mehr legale Cannabis-Konsumenten über 80 als unter 30.

Und viele von ihnen haben schon jahrelange Leidensgeschichten, was nicht zuletzt daran liegen dürfte, dass vor einer Cannabis-Verordnung in der Regel alle medizinischen Standardtherapien ausgeschöpft sein müssen. Von 3138 registrierten Schmerzpatienten dauerte die Symptomatik bereits zwölf Jahre oder länger an, bei mehr als 400 weiteren waren es 10 bis 12 Jahre. Bei rund 350 waren es sieben bis neun Jahre. Das dabei mit Abstand am häufigsten verwendete Arzneimittel war Dronabinol, unter anderem als Rezeptur oder als Marinol. Es folgen Cannabisblüten, das Fertigsarzneimittel Sativex, Cannabisextrakt und Nabilon.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
„Fax, Karten und Konnektoren gemeinsam wegschmeißen“
Bild-Gipfel: E-Rezept und Vorsorge»
Mit Nährstoffen den Schlaf unterstützen
Social Jetlag – Hören auf die innere Uhr»
Hörgerät und Nahrungsergänzungsmittel
Tinnitus: Was gegen die Ohrgeräusche helfen kann»
Keine Innovation – kein Nutzen
DGE: High-Protein-Produkte sind überflüssig»