Alzheimer-Medikament: FDA lässt Aducanumab zu

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Berlin - Trotz umstrittener Wirksamkeit hat die US-Arzneimittelbehörde FDA ein neues Alzheimer-Medikament zugelassen: Der Wirkstoff Aducanumab von Biogen ist die erste neuartige Behandlungsmethode gegen die neurodegenerative Erkrankung, die seit 2003 zugelassen wurde – wie gut der Antikörper wirkt, ist allerdings umstritten. In der Vergangenheit musste er bereits mehrere Rückschläge einstecken.

Das vom US-Biotechnologiekonzern Biogen entwickelte Medikament soll Patienten mit Alzheimer im Frühstadium als monatliche Infusion gegeben werden und den Abbau der Geisteskraft stoppen. 2019 waren zwei klinische Studien zur Erprobung von Aducanumab, das unter dem Namen Aduhelm vermarktet wird, wegen fehlender Aussicht auf Erfolg abgebrochen worden: Die bis dato erhobenen Daten deuteten darauf hin, dass der primäre Endpunkt mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erreicht wird. Auch die Sicherheitsstudie Envolve wurde gestoppt. Ein internes Beratergremium der FDA hatte sich gegen die Zulassung ausgesprochen.

Nun wurde der Antikörper doch zugelassen. „Wir sind uns der Aufmerksamkeit rund um diese Zulassung sehr bewusst“, erklärte die FDA. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass der Nutzen von Aducanumab größer sei als die Risiken. „Derzeit verfügbare Therapien behandeln nur Symptome der Krankheit. Diese Behandlungsoption ist die erste Therapie, die auf den zugrunde liegenden Krankheitsprozess von Alzheimer abzielt und diesen beeinflusst“, so Patrizia Cavazzoni, Direktorin des Zentrums für Arzneimittelbewertung und -forschung der FDA. Der Wirkstoff werde nun weiter genau beobachtet. Zudem müsse der Hersteller weitere Studien vornehmen. „Wenn der Wirkstoff nicht so wirkt wie vorgesehen, können wir Schritte unternehmen, um ihn wieder vom Markt zu holen.“

Die Ursachen für Demenzerkrankungen wie Morbus Alzheimer sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es werden nach und nach Nervenzellen im Gehirn zerstört, was zu einem Verlust der geistigen Fähigkeiten führt. Bei den meisten Betroffenen tritt die Erkrankung zwischen dem 70. und 80. Lebensjahr oder darüber auf. Im Laufe der Zeit nehmen die kognitiven Fähigkeiten ab. Dabei spielen die sogenannten Tau-Proteine eine wichtige Rolle. Alzheimer beginnt, wenn normale Tau-Proteine durch Trunkation pathologisch werden: Struktur und Funktion werden verändert. Die ungesunden Tau-Proteine binden sich aneinander und es entstehen Verklumpungen– sogenannte Plaques –, die sich im Gehirn ausbreiten.

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