Arzneimittellogistik

Zipline: Großhändler mit Drohnen APOTHEKE ADHOC, 06.06.2019 12:20 Uhr

Berlin - Die Lieferung von Arzneimitteln per Drohne rückt immer mehr in greifbare Nähe. Dass die technische Umsetzung keine Zukunftsmusik mehr ist, zeigt das kalifornische Start-up Zipline. Es hat nicht nur ein eigenes Drohnensystem zur Medikamentenanlieferung entwickelt, es versorgt bereits ein ganzes Land mit Arzneimitteln: Seit 2016 betreibt Zipline zwei Startvorrichtungen in Ruanda und deckt damit das gesamte Staatsgebiet ab. Fast 15.000 Flüge hat das Unternehmen dort bereits absolviert und so nach eigenen Angaben schon tausende Leben gerettet. Als nächstes will Zipline in andere Länder expandieren.

Die Technik hinter den Zipline-Drohnen ist nicht einfach, aber genial: Die modular aufgebauten Miniflugzeuge werden von einer Rampe abgeschossen und von einer Reißleine wieder eingefangen. Arzneimittel und Blutkonserven befinden sich in einem Karton im Bauch des Geräts. Bei der Auslieferung landet es nicht, sondern wirft das Paket aus einer Luke am Boden ab. Ein Fallschirm sorgt dafür, dass beim Aufprall nichts von der bis zu 1,8 Kilogramm schweren Fracht zu Bruch geht. Lediglich die Fläche von zwei Autoparkplätzen ist als Abwurfzone vonnöten. Am hinteren Ende der Drohne befindet sich ein kleiner Fanghaken. Auf dem Rückflug steuert das Fluggerät dann mittels zentimetergenauer Sensoren einen Draht an, der zwischen zwei Gerüsten gespannt ist und es quasi aus der Luft fischt.

Warum das relevant ist? Das Fluggerät braucht keine Start- und Landebahn, nicht einmal für die Auslieferung, und ist damit unabhängig von Boden- und Wetterbedingungen. Das war für den Einsatzort in Ruanda entscheidend. Denn zwar ist das Land nur so groß wie Hessen, doch aufgrund der bergigen Landschaft, der desolaten Lage der Infrastruktur und der klimatischen Bedingungen ist die Belieferung mit Arzneimitteln in vielen Regionen gar nicht oder nur mit großer – oft zu großer – Verzögerung möglich. Insbesondere während der Regenzeit sind viele Straßen überschwemmt und nicht passierbar.

Die Zipline-Drohnen werden deshalb nach Angaben des Unternehmens bei rund einem Drittel der Flüge in Notfällen eingesetzt, wenn es also auf eine minutenschnelle Versorgung mit Arzneimitteln ankommt. Im Durchschnitt dauert es von der Benachrichtigung – die telefonisch, über Whatsapp, E-Mail oder SMS erfolgen kann – bis zur Auslieferung rund 30 Minuten, selbst das entlegenste Krankenhaus des Landes sei in maximal einer Stunde erreichbar, brüstet sich Zipline. Die Maschinen haben bei einer Geschwindigkeit von bis zu 110 km/h eine Reichweite von maximal 160 Kilometern. Mit zwei Flugplätzen kann Zipline so das ganze Land abdecken. Das Liefersortiment umfasst bereits mehrere hundert verschiedene Arzneimittel. Besondere Bedeutung komme deshalb der Logistik zu, betont Zipline-CEO Keller Rinaudo. Denn es gehe nicht mehr nur um Einzellieferungen, die eine Drohne schnell verbringen muss, sondern um breitflächige Arzneimittelversorgung in strukturschwachen Räumen.

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