„Apotheken-Drohnen-App“: Fliegender Botendienst | APOTHEKE ADHOC
Drohnen-Projekt von Dessauer Apotheker

„Apotheken-Drohnen-App“: Fliegender Botendienst

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Berlin -

Das Drohnenprojekt um den Dessauer Apotheker Martin Grünthal wird in Sachsen-Anhalt künftig im Rahmen eines Pilotprojekts zur Arzneimittelversorgung von pflegebedürftigen und mobilitätseingeschränkten Menschen erprobt und erhält dafür eine Förderung vom Bund. Am Mittwoch wurde das Projekt von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff (CDU) offiziell gestartet.

„Das, was mit der Apotheken-Drohnen-App und der vollständig kontaktlosen Lieferung von Medikamenten heute noch neu und exotisch klingt, könnte für die Menschen, insbesondere in ländlichen Regionen, schon sehr bald alltägliche Realität sein“, so Haseloff am Mittwoch bei der Projekteröffnung in Halle an der Saale. „Wie wichtig Innovation im Gesundheitswesen ist, erleben wir in diesen Tagen hautnah.“

Vor allem die Coronapandemie habe das erneut verdeutlicht – und ist einer der Gründe, warum das Projekt, das Grünthal vergangenes Frühjahr mit initiiert hat, so breite Unterstützung erhält. Grünthal und sein Projektpartner Sirko Scheffler, Geschäftsführer des IT- und Mediendienstleisters Brain-SCC, hatten sich im Vorfeld an das Bündnis „Translationsregion für digitalisierte Gesundheitsversorgung“ (TDG) unter Leitung der Universitätsmedizin Halle gewendet und dann gemeinsam eine Förderung beantragt – erfolgreich. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gibt 676.000 Euro hinzu. Die Drohne wurde vom Berliner Start-up DiaVen entwickelt und wird bereits von der Krankenhausapotheke der Charité in der Praxis erprobt.

Bei dem nun gestarteten Projekt soll die Versorgung per Drohne unter realen Bedingungen getestet werden. Neben Pflegeeinrichtungen und Hausarztpraxen sollen vor allem mobilitätseingeschränkte Menschen oder solche, die in ländlichen Regionen zuhause leben, davon profitieren. Eine weitere Möglichkeit sei aber auch die Versorgung von Menschen in Quarantäne. Der wissenschaftliche Fokus des Projekts liegt laut Universität Halle auf der Entwicklung, Erprobung und Evaluation der Apotheken-Drohnen-App – einerseits hinsichtlich der Akzeptanz der Technologie auf Seiten der Nutzerinnen und Nutzer sowie andererseits der Effekte auf die Gesundheitsversorgung, auch hinsichtlich Medikamentensicherheit. Ziel sei es, die Lebensqualität von älteren, pflegebedürftigen Personen zu sichern.

„Das Projekt ‚ADApp‘ steht für alles, was das TDG-Bündnis auszeichnet“, sagt Professor Dr. Patrick Jahn, Leiter der AG Versorgungsforschung und Pflege im Krankenhaus an der Uni Halle. „Es ist ein Paradebeispiel für die Verknüpfung von Wirtschaft und Wissenschaft zum Nutzen der Gesellschaft.“ Der Universitätsmedizin Halle komme dabei eine Doppelrolle zu: „Einerseits sind wir Koordinator und Leitung des Bündnisses, andererseits aber auch als Projektpartner involviert, als der wir im Rahmen unserer Versorgungsforschung die Mensch-Drohnen-Interaktion und die Akzeptanz des Vorhabens wissenschaftlich begleiten und evaluieren werden.“

Für Apotheker Grünthal hat das Projekt noch einen ganz anderen Wert: Er will sich damit bereit machen für die Einführung des E-Rezepts. „Die Entwicklung geht zum E-Rezept“, sagt er. „Für mich als Apotheker einer Apotheke vor Ort heißt das, meine Arbeitswelt daran anzupassen. Ich halte es daher für sehr sinnvoll, sich frühzeitig Gedanken zu machen.“ Das E-Rezept sei dabei nur der Anfang eines digitalen Prozesses, mit dem durch Ergänzung der Zustellmöglichkeit per Drohne kontaktlose Versorgung der Menschen möglich sein wird. „Gerade in Pandemie-Zeiten oder aus anderen Gründen, die es erforderlich machen, kann die Digitalisierung hier gute Dienste leisten“, so der Inhaber der Apotheke am Bauhaus in Dessau.

Über die Einbindung von Grünthals Apotheke in enger Absprache mit der pflegerischen Versorgung vor Ort sollen darüber hinaus neue, sichere und übertragungsfreie Logistik-Wege erschlossen werden, mit denen eine Entlastung von Pflegefachpersonen und vor allem pflegenden Angehörigen erreicht werden kann. Für den logistisch-wissenschaftlichen Part ist die Hochschule Anhalt als Partner involviert. „Mit dem Studiengang Logistik- und Luftverkehrsmanagement und unserer Forschung in diesen Bereichen können wir wertvolle Erfahrungswerte zum Projekt ADApp beitragen, die insbesondere auch den Transport von dringend benötigten Gütern per Drohne betreffen“, so Prof. Dr. Markus Holz. „Mit der Einführung der neuen EU-Drohnenverordnung gibt es erstmals seit diesem Jahr die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz von Drohnen auch außerhalb der Sicht des Steuerers. Im Rahmen des Projektes werden wir einerseits unsere Labfly für den Transport von Medikamenten anpassen und das luftrechtliche Betriebskonzept für das ADApp beisteuern.“

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