Pilotprojekt: Apotheke liefert per Drohne aus

, Uhr
Fliegender Botendienst: Inhaber Martin Grünthal aus Dessau hat ein Drohnenprojekt auf die Beine gestellt, um die Belieferung seiner Kunden aus der Luft zu erproben. In Berlin läuft bereits ein Modellprojekt.

Berlin - Wie kann man persönlich sein, aber trotzdem schneller und bequemer als jeder Versender? Blitzzulieferungen wie die von Arzneipost sind ein Weg, sich regional als innovativer Gesundheitsdienstleister zu profilieren. Apotheker Martin Grünthal aus Dessau geht einen Schritt weiter: Er will seine Arzneimittel künftig per Drohne ausliefern. Das ist keine fixe Idee, sondern ein von der Bundesregierung gefördertes Projekt, das er gemeinsam mit zwei Hochschulen, einer Merseburger IT-Firma und einem Berliner Drohnenbauer aufgezogen hat. Anfang des Jahres ist ein erstes Modellprojekt an der Charité gestartet.

Zum Video

Wie so viele innovative Ideen wurde auch das Dessauer Drohnen-Projekt aus der Not heraus geboren: „Wir hatten im Frühjahr überlegt, wie wir angesichts der Coronapandemie neue Wege finden können, eine kontaktfreie Übergabe zu ermöglichen“, erzählt der Inhaber der Bauhaus-Apotheke. Zum Glück hat er gute Freunde: unter anderem Sirko Scheffler, Geschäftsführer des IT- und Mediendienstleisters Brain-SCC im nahegelegenen Merseburg. Gemeinsam mit ihm dachte er über allerlei digitale Lösungen nach, bis ihnen die Idee mit der Drohne kam. Ganz neu ist die freilich nicht, in den USA erproben Apothekenketten wie Walgreens bereits die Rx-Auslieferung mittels der kleinen Propellermaschinen, die DHL hat in Ostafrika bereits eine abgelegene Region so versorgt und auch in Deutschland gab es schon erste Drohnenprojekte.

Der Gedanke war also weder neu noch abwegig. Bisher war es jedoch außerordentlich schwierig, die kleinen Geräte regelkonform zum Fliegen zu bringen. Denn es gab keine Regeln. Das änderte sich allerdings zum Jahresende, weil am 31. Dezember die EU-Drohnenverordnung in Kraft trat, die erstmals Anwendungsszenarien und Drohnenklassen definiert, also welche Drohne was wo darf – sozusagen die STVO für den Himmel zwischen Straße und Verkehrsflughöhe. Der Weg ist damit frei und so schmiedeten Grünthal und Scheffler eine Koalition für ihr Projekt: Das Berliner Drohnen-Start-up Diaven liefert die Hardware, Brain-SCC die Software zur Anbindung an die Apotheke, die Hochschule Anhalt und die Universität Halle begleiten die Erprobung wissenschaftlich. Für Mitte des Jahres sind die ersten Testflüge auf dem Flughafen Cochstedt geplant. Der ehemalige Airport nahe Magdeburg – die nahe Lage ist glücklicher Zufall – wurde von der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt gekauft und soll zum größten Drohnenversuchszentrum Europas werden.

Bis die Drohnen aus Dessau in die Regelversorgung übergehen, wird es also selbst im besten Fall noch ein Weilchen dauern. Doch auch wenn die Drohne nicht mehr rechtzeitig kommen wird, um Kontakte während der Covid-19-Pandemie zu reduzieren, wird sie nach Grünthals Sicht in Zukunft eine sinnvolle Rolle spielen können: „Die Technologie könnte helfen, gerade in unterversorgten Gebieten eine schnelle Belieferung zu gewährleisten“, sagt er. Dass davon auch große Versandkonzerne wie Amazon ausgehen, ist ebenfalls keine theoretische Überlegung, sondern wird bereits erprobt. Es wird also Zeit, dass sich auch die Vor-Ort-Apotheken Gedanken machen, ob und wie sie in Zukunft solche Services anbieten können.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Weiteres
Nur noch eine Rezeptur pro Verordnung
Platzmangel durch Hash-Code und Z-Daten»
Dosierungsangabe
Achtung Retax: >>2x»