Pilotprojekt Medintime

PTA testet Apothekendrohne

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Berlin -

Bei dem Projekt MEDinTime des Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur und der Firma Quantum-Systems sollen Medikamente per Drohne von einer Klinikapotheke in Ingolstadt in eine benachbarte Apotheke transportiert werden. PTA und Technikstudentin Dorotea Kojic ist Teil dieses einzigartigen Projekts.

Seit Oktober 2020 wird in Ingolstadt eifrig im Bereich der unbemannten Flugfahrt geforscht: Ein UAS (unmanned aircraft system), also eine Drohne, soll für die Medikamentenlieferung zwischen dem Klinikum Ingolstadt und dem über 30 Kilometer entfernten Klinikum Pfaffenhofen eingesetzt werden. Konkret soll der Transport seltener Notfallmedikamente von der größeren Ingolstädter Krankenhaus-Apotheke in die kleinere Krankhaus-Apotheke mit begrenztem Lager in Pfaffenhofen ermöglicht werden.

Das Projekt "MEDinTime" wird durchgeführt von dem deutschen Technologieunternehmen Quantum-Systems, in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Ebenfalls am Projekt beteiligt sind das Klinikum Ingolstadt, die Technische Hochschule Ingolstadt, das Bayerische Rote Kreuz und der Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm.

PTA Dorotea Kojic ist Teil dieses Projekts. Parallel zur Arbeit in der Apotheke begann sie 2017 ihr Studium für Wirtschaft und Maschinenbau an der TU München – und verabschiedete sich zwei Jahre später vollends vom PTA-Beruf, um sich gänzlich ihrer Leidenschaft für Technik zu widmen. Sie stieß im Dezember 2020 als Werkstudentin zu dem Projekt hinzu. „Ich hatte im Zuge eines Uni-Projekts bereits eine kleine Flugzeugdrohne mit meinem Team entwickelt und damit an einem Wettbewerb teilgenommen. Als ich daraufhin die Stellenanzeige von Quantum-Systems sah, habe ich mich sofort beworben.“

Noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen, da es aufgrund der Corona-Pandemie zu Verzögerungen kam. „Momentan arbeiten wir an einer intelligenten Transportbox, denn teure und hochzerbrechliche Ampullen können wir natürlich nicht einfach so in der Drohne platzieren.“ Testflüge fänden momentan noch ohne Medikamente statt. Vor allem die Außen- sowie Innen-Temperatur und Feuchtigkeit bei verschiedenen Witterungen stellen eine Herausforderung dar: „Arzneimittel dürfen zum Beispiel auf keinen Fall unterkühlt werden – „erfriert“ ein Medikament, kann man es in der Regel nur noch entsorgen.“

Bei dem Projekt werde mit dem Drohnen-Modell Trinity F90+ gearbeitet. Mit diesem VTOL UAV (vertical take-off and landing unmanned aircraft vehicle) sei der vertikale Aufstieg und die vertikale Landung möglich, die für den Transport sensibler Medikamente nötig seien.

Neben den technischen und logistischen Voraussetzungen stelle auch die Rechtssituation in Deutschland eine Hürde dar. „Die gesetzliche Lage ist der technischen noch gar nicht angepasst,“ erklärt Dorotea. Sogenannte „BVLOS-Flüge“ (beyond visual line of sight), also UAS-Flüge außerhalb der Sichtweite, seien in Deutschland zulassungspflichtig. „Wir arbeiten gerade daran, eine Zulassung für unser Model Trinity F90+ zu erhalten, aber das ist gar nicht so leicht.“

Als ehemalige Apotheken-Mitarbeiterin weiß Kojic um die Vorteile, die der Einsatz von UAS für Apotheken darstellen könnte: „Der größte Vorteil ist für mich die Ressourcenschonung. Meiner Meinung ist es sinnvoll, seltene und teure Medikamente zentral zu lagern und nur bei Bedarf an die einzelnen Standorte zu transportieren. Auf diese Weise müssten viel weniger Medikamente weggeworfen werden.“

Das Projekt von BMVI und Quantum-Systems ist eines der ersten seiner Art in Deutschland und diene in erster Linie der Datensammlung und -auswertung. „Das, woran wir aktuell arbeiten, ist Zukunftsmusik,“ so Kojic. Obwohl es weltweit schon einige Testläufe mit BVLOS im medizinischen und pharmazeutischen Bereich gäbe, könnten Logistikdrohnen Expert:innen zufolge erst frühestens in fünf bis zehn Jahren in Deutschland kommerzialisiert werden. „Bis dahin bleibe ich also eine Pionierin in diesem Bereich.“

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