Der Reiz der Klinikapotheke | APOTHEKE ADHOC
40 Jahre in einem Betrieb

Der Reiz der Klinikapotheke

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Berlin -

Das Schülerpraktikum ist für viele spätere pharmazeutische Angestellte das Einstiegstor in die Apotheke. Auch Mandy Pieper aus Rostock entdeckte darüber ihre Leidenschaft für Pharmazie. Letztlich führte sie ihr Weg vor 40 Jahren in die Apotheke der Universitätsmedizin Rostock. Mehrere Gründe führten dazu, dass die heutige Pharmazieingenieurin der Klinikapotheke immer treu blieb.

In der neunten Klasse kam Pieper erstmals mit Arbeitsalltag einer Apotheke in Kontakt. Der heute 56-Jährigen gefiel der Alltag und sie bewarb sich nach der Schule in der Klinikapotheke in Rostock. Ihre Ausbildung zur Apothekenfacharbeiterin schloss Pieper mit 18 Jahren ab. Bereits während der Lehre gefiel ihr die „vielseitige“ Tätigkeit in der Krankenhausversorgung – auch wenn der Alltag in der ehemaligen DDR mit heute nicht mehr vergleichbar ist. „Damals stellten wir noch größere Mengen an Infusionslösungen her, weil die Industrie nicht liefern konnte“, erinnert sie sich. 300 Liter pro Tag seien es mitunter gewesen.

Qualitätskontrolle bis Sterilherstellung

Die Arbeit in verschiedenen Bereichen begleitete Pieper bis heute. Zunächst war sie in der Qualitätssicherung tätig, später dann in den Auf- und Umbau der Zytoherstellung involviert und arbeitete in der Laborversorgung sowie in der Sterilherstellung. Seit etwa sechs Jahren arbeitet sie im unsterilen Bereich und stellt Rezepturen und Defekturen her wie beispielsweise Kapseln für Frühchen. „Ich fühle mich hier wohl“, sagt sie. Die Arbeit sei nie monoton und das „Ganze“ gefalle ihr.

Besonders Spaß bereite ihr die Produktion – vom Ausgangsstoff bis zum Endprodukt. „Mir gefällt auch, dass man viel mit technischen Geräten zu tun hat.“ Sie sei computeraffin und die Zeiten, in denen Etiketten noch mit der Schreibmaschine beschrieben wurden, längst vorbei. Auch die Förderung durch ihren Arbeitgeber lobt Pieper. „Ich wurde insgesamt sechseinhalb Jahre ausgebildet.“ Zwei Jahre nach ihrer Ausbildung sei ihr ein Fernstudium zur Pharmazieingenieurin angeboten worden. „Das habe ich mit 25 abgeschlossen.“

 

Der Apothekenleiter Karl-Peter Jahns lobt die Erfahrung der langjährigen Mitarbeiterin: „In der Anfangszeit der Coronapandemie konnte unser Team von ihrem Erfahrungsschatz in besonderem Maße profitieren“, sagt er. Als das Desinfektionsmittel bundesweit knapp geworden sei, konnte Pieper ihren Kolleg:innen zeigen, wie sie das Mittel in einem alten Ansatzkessel, der eigens dafür wieder in Betrieb genommen wurde, schnell und unkompliziert selbst herstellen konnten.

Keine Sehnsucht zum HV

Den Kontakt zu Endverbraucher:innen vermisst Pieper nicht. In eine Vor-Ort-Apotheke hat sie sich nie zurückgesehnt. Die Kommunikation kommt in der Klinik aber nicht zu kurz: „Ich berate hier Fachpersonal, also Krankeschwestern oder Ärzte, die anrufen.“ Die Arbeit beziehe sich auf die Versorgung von Schwerstkranken. „Den Kundenkontakt in einer Offizinapotheke hatte ich vier Woche, aber ich weiß nicht, ob ich das vermisse.“ Gerade ihre pharmazeutische Arbeit mache den Reiz aus.

Die Universitätsmedizin Rostock gehört als rechtsfähige Teilkörperschaft zur Universität Rostock. In der Apotheke sind 35 Angestellte tätig, darunter insgesamt zwei Pharmazieingenieurinnen, etwa zehn Apotheker:innen sowie PTA, PTA und Lagerarbeiter. Jährlich werden dort etwa 320.000 Einzelbestellungen von Fertigarzneimitteln bearbeitet, 20.000 Chemotherapien zubereitet und 5000 maßgeschneiderte Medikamente wie beispielsweise Salben, Zäpfchen und Kapseln hergestellt. Dazu kommen 10.000 Einzelanfertigungen, die trotz der patientenindividuellen Dosierung häufig gebraucht und daher vorproduziert und vorgehalten werden.

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