Drogenbericht

Zahl der Drogentoten: Keine Entwarnung dpa, 16.05.2018 09:31 Uhr

Berlin - Oft ist es eine verhängnisvolle Überdosis, manchmal ein mysteriöser Mix: Illegale Drogen haben erstmals wieder etwas weniger Menschen in Deutschland das Leben gekostet. Nach vier Jahren mit Zunahmen in Folge sank die Zahl der Drogentoten 2017 leicht auf 1272, wie die Bundesbeauftragte Marlene Mortler bilanzierte. Trotz des Rückgangs um fast fünf Prozent im Vergleich zu 2016 sieht sie aber keinen Grund zur Entwarnung – im Gegenteil. Zu schaffen machen Experten auch neue, schwer analysierbare Substanzen.

Hauptursache für einen Drogentod sind nach wie vor Überdosierungen von Opioiden wie Heroin und Morphin, wie der Leiter des Instituts für Therapieforschung in München, Professor Dr. Ludwig Kraus, erläuterte. Darauf gingen laut Statistik jetzt 707 Todesfälle zurück, nachdem die Zahl im Jahr zuvor bei 789 gelegen hatte. Oft waren auch noch andere Substanzen im Spiel, die zeitgleich oder direkt im Anschluss konsumiert wurden. Bei Kokain und Crack stieg die Zahl der Toten dagegen nun von 71 auf 87.

Mit Sorge beobachten Fachleute eine immer größere Palette neuer meist synthetischer Wirkstoffe, die teils auch noch unter falschen Angaben angeboten werden. Keiner wisse so genau, was in neuen psychoaktiven Stoffen (NPS) drinstecke, sagt Professor Kraus. „Das ist eine Blackbox.“ Anders als bei den akuten Vergiftungen stieg die Zahl der Abhängigen, die nach Langzeitschäden starben, jetzt von 154 auf 178.

Besonders im Blick stehen weiterhin vor allem Männer, die schon seit einiger Zeit zu illegalen Substanzen greifen. Rund 85 Prozent aller Drogentoten sind männlich, wobei das Durchschnittsalter mehr und mehr steigt – von 36 Jahren 2008 auf nunmehr 39 Jahre. Eine vergleichbare größere Risikogruppe unter sehr jungen Leuten machen die Experten zumindest bisher nicht aus: Unter den Drogentoten 2017 waren nur 30 unter 20 Jahre alt – mehr als 900 waren dagegen 30 Jahre und älter.

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