Rauschgift

Drogencheck: Staatsanwalt setzt auf Apotheker Deniz Cicek-Görkem, 09.10.2018 09:09 Uhr

Berlin - Was tun, wenn besorgte Eltern mutmaßliche Drogen bei ihrem Kind entdecken und den Apotheker ihres Vertrauens um eine Untersuchung bitten? Die Pharmazeuten können gemäß Gesetz die verdächtige Substanz annehmen und zwecks Laboranalyse einschicken. Was viele nicht wissen ist, dass der Apotheker dabei keine polizeilichen Konsequenzen fürchten muss . APOTHEKE ADHOC hat mit Staatsanwalt Uwe Strewe von der Staatsanwaltschaft Erfurt und Apothekenleiter Jürgen Sawatzki von der Apotheke der LVR-Klinik Viersen gesprochen. Die Experten klären auf, wie und wo solche rauschgiftverdächtige Proben aus der Apotheke analysiert werden und wann sich der Apotheker strafbar machen könnte. Auch im LABOR ist das ein Diskussionsthema.

Jährlich sterben in Deutschland etwa 1300 Menschen in Folge illegalen Drogenmissbrauchs. Auch Jugendliche und junge Erwachsene konsumieren suchterzeugende Substanzen, die Gründe dafür sind vielfältig. Lehrer und Sozialarbeiter können entsprechende Tütchen beispielsweise auf Schultoiletten vorfinden. Eltern hingegen entdecken die Rauschmittel eher im Zimmer oder in der Schultasche ihrer Kinder. Sie können die verdächtigen Proben im Rahmen ihrer elterlichen Fürsorge in die Apotheke bringen und sich an die Arzneimittelexperten vor Ort wenden – auch ohne ihr Kind und die Polizei in den Fall einzubinden.

Staatsanwalt Strewe hält regelmäßig Vorträge an Schulen und gibt Jugendlichen sowie Lehrern Informationen zur Gesetzeslage im Sinne einer schulischen Prävention. Er spricht sich klar gegen eine Entsorgung über die Toilette oder die Mülltonne aus, da die Substanzen zum einen das Grundwasser erreichen und eventuell ein ökologisches Problem herbeiführen könnten. Zum anderen könnte dieses Verhalten in bestimmten Fällen als „Beweismittelunterdrückung” gewertet werden.

Für ihn sind Apotheken die erste Anlaufstelle. Eltern und Lehrer sollten sich in solchen Situationen an die Apotheken vor Ort wenden: „Apotheker sind verlässliche Partner. Sie sind dazu ermächtigt, aber nicht verpflichtet, die Drogen anzunehmen”, sagt Strewe. Die Drogen sollen dabei „auf direktem Wege” die Offizin erreichen; die Finder sollten die Rauschmittel beispielsweise nicht einstecken, mit nach Hause nehmen oder gar damit „spazieren gehen”. Denn sonst könnte ein Strafverfahren drohen. Das gelte auch für Apotheker. Aus seinem Berufsalltag sei ihm ein solcher Fall bekannt, erzählt er. Das Verfahren gegen den Pharmazeuten sei aber aufgrund mangelnder Beweise für die Eigennutzung eingestellt worden.

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