Vergiftungs-Informations-Zentrale

Freiburg: Immer mehr Anfragen beim Giftnotruf dpa/ APOTHEKE ADHOC, 15.02.2019 10:53 Uhr

Berlin - Giftige Pilze, zu viel verschluckte Tabletten oder ein Schluck aus der Waschmittelflasche – wer Angst vor einer Vergiftung hat, kann erst mal zum Telefon greifen. In Freiburg schätzen fachkundige Apotheker und Ärzte das Risiko ein. Der Giftnotrufzentrale zufolge wird sie immer häufiger

Ein Kind hat an der Spülmittelflasche genuckelt oder nach Verzehr der Pilzpfanne stellen sich Bauschmerzen ein – mit solchen Fällen hat die Vergiftungs-Informations-Zentrale in Freiburg regelmäßig zu tun. Die Anfragen nehmen von Jahr zu Jahr zu, wie ein Sprecher der Informations-Zentrale mitteilte. In 2018 stiegen sie im Vergleich zum Vorjahr um rund 1200 auf 27.050 Anfragen. Vor allem bei Verdacht auf Vergiftungen durch Arzneimittel, chemische Produkte – etwa Waschmittel, Lösungsmittel, Tinte – oder Pflanzen wählen Menschen den Giftnotruf. In jedem zweiten Fall ging es um eine mögliche Vergiftung bei Kindern und Jugendlichen.

Einen möglichen Grund für den stetigen Anstieg sieht die Beratungsstelle, die ans Universitätsklinikum Freiburg angeschlossen ist, in einer zunehmenden Unsicherheit, was den Kontakt mit potenziell gefährlichen Mitteln angeht. Allerdings sei im vergangenen Jahr auch das Team vergrößert und damit die Erreichbarkeit verbessert worden.

Rund um die Uhr beraten speziell geschulte Apotheker und Ärzte Anrufer. Auch Informationsmaterialien werden bereitgestellt, beispielsweise dazu, was für einen Giftnotfall in der Hausapotheke bereit stehen sollte. „Bei vielen Erstmaßnahmen ist es wichtig, schnell zu reagieren“, sagte der stellvertretende Leiter der Vergiftungs-Informations-Zentrale, Uwe Stedtler. Gehe es dem Patienten nicht sehr schlecht, sei zunächst ein Anruf bei ihnen sinnvoll. Die Berater bewerten das Risiko, beispielsweise wenn ein Kind Waschmittel verschluckt hat. Sie klären: Wie lange ist es her? In welchem Zustand ist das Kind jetzt? In vielen Fällen sei es nicht unbedingt nötig, einen Arzt aufzusuchen, so Stedtler.

Obwohl 2018 ein eher schlechtes Pilzjahr war, erreichten die Beratungsstelle rund 250 Anfragen zu möglichen Vergiftungen. Anrufer befürchteten etwa, versehentlich einen giftigen Champignon wie den Karbol-Champignon gegessen zu haben oder zum ähnlich aussehenden giftigen Knollenblätterpilz gegriffen zu haben. Bei unklaren Fällen vermitteln die Berater Pilzsachverständige. Sorgen machten sich die Baden-Württemberger auch um ihre Haustiere: In mehr als 500 Fällen beantworteten die Berater Anfragen zu möglicherweise vergifteten Tieren. Meist suchen Privatleute Rat, gefolgt von Ärzten. Aber auch Apotheker und Rettungsassistenten rufen an.

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