Stern TV und Glaeske warnen vor Fluorchinolonen

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Der Pharmakologe untermauert die fehlerhafte Verschreibungspraxis anhand einer Studie der Universität Bremen. Glaeske und sein Team stellten fest: Etwa die Hälfte der Frauen, die an einer Blasenentzündung leiden, werden mit einem Fluorchinolon behandelt – obwohl Alternativen bestehen und die Gyrasehemmer als Reserveantibiotika gelten. Die Stoffgruppe ist die am vierthäufigsten verordnete unter den Antibiotika. Dabei ist die bei Patienten mit Sinusitis, Otitis, Bronchitis und unkomplizierten Harnwegsinfektionen nur Mittel der letzten Wahl, wenn alle anderen Antibiotika versagen.

Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) warnt ebenfalls seit Längerem vor den Fluorchinolonen. Den Breitbandantibiotika wird ein starkes Nebenwirkungspotential zugesprochen, mitunter sind bleibende Schäden und lebenslange Beeinträchtigungen die Folge.

Dass Fluorchinolone Sehnenschäden in Form von Entzündungen oder Rissen verursachen können, ist bereits seit den 60er-Jahren bekannt und wurde in die Produktinformationen aufgenommen. Die Ruptur der Achillessehne wird dabei als besonders gefährlich angesehen und tritt mit erhöhtem Risiko bei älteren Personen ab dem 60. Lebensjahr auf. Die unerwünschte Arzneimittelwirkung kann bereits wenige Stunden nach der Einnahme auftreten oder bis zu vier Wochen nach Therapieende. In Deutschland sind Ciprofloxacin, Norfloxacin, Enoxacin, Ofloxacin, Levofloxacin und Moxifloxacin zugelassen.

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