Antibiotika

Warentest warnt vor Fluorchinolonen

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Berlin -

Fluorchinolone stehen seit Langem in der Kritik. Dreht es sich bei Antibiotika meist um Resistenzen, werden Ciprofloxacin & Co. wegen ihrer möglichen schwerwiegenden oder dauerhaften Nebenwirkungen diskutiert. Stiftung Warentest hat die „medizinischen Alleskönner mit Risiken“ unter die Lupe genommen und appelliert an die Endverbraucher.

„Achtung, schwere Nebenwirkungen durch die häufig verordneten Antibiotika der Gruppen Chinolone und Fluorchinolone!“ So beginnt der Facebook-Post von Warentest. Die Rede ist von den seit Langem bekannten unerwünschten Arzneimittelwirkungen. In sehr seltenen Fällen würden Patienten, die mit Fluorchinolonen oder Chinolonen behandelt wurden, dauerhafte Nebenwirkungen erleiden, die sich hauptsächlich auf die Sehnen, Muskeln oder Knochen sowie das Nervensystem (Depression, Angstzustände oder Verwirrung) beziehen. Die Ruptur der Achillessehne wird als besonders gefährlich angesehen und tritt mit erhöhtem Risiko bei älteren Personen ab dem 60. Lebensjahr auf – bereits wenige Stunden nach der Einnahme oder bis zu vier Wochen nach Therapieende.

Auch die Experten von Stiftung Warentest sehen die Stoffgruppe seit langem nur für spezielle ernste Lungen- und Blasenentzündungen als geeignet. „Der Nutzen muss die Nachteile überwiegen. Bei harmloseren Infekten wie Bronchitis, Nasennebenhöhlen- oder unkomplizierter Blasenentzündung können Erkrankte zunächst einfache Maßnahmen ergreifen – etwa Nasenspülungen, Inhalationen und viel trinken.“ Ist die Gabe eines Antibiotikums erforderlich, sind andere Wirkstoffe vorzuziehen. „Wer Chinolone oder Fluorchinolone einnimmt und Nebenwirkungen feststellt, sollte sie absetzen – um die Folgebehandlung abzustimmen, in ärztlicher Rücksprache“, so das Verbrauchermagazin. Zur Risikogruppe zählen vor allem Senioren, Menschen mit Nierenfunktionsstörung oder nach einer Organtransplantation oder Patienten mit systemischer Glucocorticoidtherapie.

Laut Warentest sind Fluorchinolone die am vierthäufigsten verordneten Antibiotika in Deutschland. Häufiger werden nur Betalactame, Makrolide und Tetracycline verschreiben. Spitzenreiter innerhalb der Wirkstoffgruppe ist Ciprofloxacin mit 17,2 Millionen verordneten Tagesdosen im vergangenen Jahr. Laut Arzneimittelverordnungsreport hat der Wirkstoff etwa 9 Prozent im Vergleich zu 2016 verloren. Der Tipp von Warentest: „Verordnet dein Arzt ein Mittel, das auf „floxacin“ endet? Dann stelle sicher, ob das wirklich notwendig ist.“

Zuletzt hatte sich die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) auf deutsche Initiative hin mit der Stoffgruppe beschäftigt. Der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) hat einige Empfehlungen ausgesprochen und den Einsatz von Fluorchinolonen eingeschränkt.

Fluorchinolone sollen laut PRAC-Empfehlung nicht mehr angewendet werden:

  • zur Behandlung von Infektionen, die ohne Behandlung besser werden oder nicht schwerwiegend sind (wie Racheninfektionen)
  • zur Verhinderung von Reisedurchfall oder wiederkehrenden Infektionen der unteren Harnwege (Harninfektionen, die nicht über die Blase hinausgehen)
  • zur Behandlung von Patienten, die zuvor unter schweren Nebenwirkungen unter einem Fluorchinolon litten
  • zur Behandlung von leichten oder mittelschweren Infektionen, sofern nicht andere antibakterielle Arzneimittel, die für diese Infektionen empfohlen werden, nicht angewendet werden können.
  • Außerdem sollte die Stoffgruppe insbesondere bei älteren Patienten, Patienten mit Nierenproblemen, Patienten, die eine Organtransplantation erhalten haben, oder solchen, die mit einem systemischen Kortikosteroid behandelt werden mit Vorsicht angewendet werden. Denn diese Patienten haben ein höheres Risiko für Sehnenverletzungen, die durch Fluorchinolone verursacht werden können.
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