Fluorchinolone: Rote-Hand-Brief kommt ab 8. April

, Uhr

Berlin - Wegen Nebenwirkungen – Europäische Kommission bestätigt Anwendungseinschränkungen für Fluorchinolone: Im Oktober hatte der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittelkommission (EMA) empfohlen, den Einsatz der Antibiotika einzuschränken und das Nutzen-Risiko-Verhältnis der Stoffgruppe neu bewertet. Apotheker und Ärzte sollen ab dem 8. April in einem Rote-Hand-Brief informiert werden. So soll sichergestellt werden, dass die Änderungen in der Verordnung und Aufklärung berücksichtigt werden.

Betroffen von den Anwendungseinschränkungen sind Fluorchinolone, die oral, injiziert oder inhalativ verabreicht werden. In Deutschland sind Ciprofloxacin, Norfloxacin, Enoxacin, Ofloxacin, Levofloxacin und Moxifloxacin von den Änderungen betroffen. Die Wirkstoffe können dauerhafte Nebenwirkungen verursachen, die sich hauptsächlich auf die Sehnen, Muskeln oder Knochen sowie das Nervensystem beziehen. Die unerwünschten Arzneimittelwirkungen können die Lebensqualität der Patienten einschränken und möglicherweise länger anhalten.

Der PRAC hatte im Oktober empfohlen Fluorchinolone nicht mehr anzuwenden zur:

  • Therapie von Infektionen, die ohne Behandlung besser werden oder nicht schwerwiegend sind (wie Racheninfektionen)
  • Verhinderung von Reisedurchfall oder wiederkehrenden Infektionen der unteren Harnwege (Harninfektionen, die nicht über die Blase hinausgehen)
  • Behandlung von Patienten, die zuvor unter schweren Nebenwirkungen unter einem Fluorchinolon litten
  • Behandlung von leichten oder mittelschweren Infektionen ( wie eine unkomplizierte Zytitis), sofern nicht andere antibakterielle Arzneimittel, die für diese Infektionen empfohlen werden, nicht angewendet werden können.

Außerdem sollte die Stoffgruppe insbesondere bei älteren Patienten, solchen mit Nierenproblemen oder nach einer Organtransplantation, sowie Patienten, die mit einem systemischen Kortikosteroid behandelt werden, mit Vorsicht angewendet werden. Denn diese Patienten haben ein höheres Risiko für Sehnenverletzungen, die durch Fluorchinolone verursacht werden können.

Laut Empfehlung ist die Behandlung mit einem Fluorchinolon-Antibiotikum bei den ersten Anzeichen einer Nebenwirkung wie beispielsweise entzündete oder gerissene Sehne, Muskelschmerzen oder -schwäche sowie Gelenkschmerzen oder -schwellungen zu beenden. Gleiches gilt für Nebenwirkungen, die das Nervensystem betreffen wie Müdigkeit, Depression, Verwirrung, Selbstmordgedanken, Schlafstörungen, Seh-und Hörprobleme, veränderter Geschmack und Geruch.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Positionen zur Bundestagswahl
Abda: Drei Forderungen an die Politik»
Exportverbote aufheben statt Patente zu enteignen
Patente und Populismus: Geholfen ist damit niemandem»
Atopische Dermatitis, Nasenpolypose & Co.
Biologika & Covid-Impfung – geht das?»
Hypertensive Krise
Bye, bye Bayotensin»
Akne, Neurodermitis & Co.
Welchen Einfluss hat der pH-Wert?»
Hormone, Schwangerschaft & Co.
Dehnungsstreifen: Irreparable Hautschäden»
Ausschlag ohne eindeutige Ursache
Update: Dyshidrose»
Copyright © 2007 - 2021, APOTHEKE ADHOC ist ein Dienst der EL PATO Medien GmbH / Pariser Platz 6A / 10117 Berlin Geschäftsführer: Patrick Hollstein, Thomas Bellartz / Amtsgericht Berlin Charlottenburg / HRB 204 379 B