„Die Goldgräberzeiten sind vorbei“

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Berlin -

Dass das Pharmaziestudium Pharmazeuten nur bedingt auf den Arbeitsalltag in der Apotheke vorbereitet, ist kein Geheimnis. Spätestens als Filialleiter oder Inhaber machen sich die mangelnden wirtschaftlichen Kenntnisse bemerkbar. Einige Hochschulen erkennen den Bedarf und bieten entsprechende Fortbildungen an. Dazu gehört auch die Fachhochschule Schmalkalden, an der man sich in zwei Semestern zum Apothekenbetriebswirt ausbilden lassen kann.

„Die Goldgräberzeiten in der Apotheke sind vorbei“, sagt Professor Dr. Hubert Dechant, der im Studiengang BWL unterrichtet. „Entweder man kriegt seinen Laden gemanagt oder der Umsatz wird weniger.“ Im Fernstudium werden die betriebswirtschaftlichen Grundlagen gelegt. Dabei geht es auch um Finanzierung, beispielsweise zum Kauf einer Apotheke. Die Studierenden sollen verstehen, wie die Bank ihre Apotheke sieht, diese interessiere sich hauptsächlich für die Jahresabschlüsse. „Allerdings verstehen die meisten Apotheker im Kurs den Jahresabschluss ihres Steuerberaters nicht“, so Dechant weiter. Darum stehen auch Steuer-, Arbeits- und Sozialrecht auf dem Stundenplan.

Im Fach Category Management lernen die Pharmazeuten, wie sie die begrenzte Fläche in der Apotheke am besten nutzen. Dafür müsse man die Blickrichtung der Kunden kennen und wissen, wo man Produkte am besten platziert. „Was die Apotheker machen, diktiert der Großhandel“, kritisiert Dechant. Personalführung steht ebenfalls auf dem Programm. „Eigen- und Fremdwahrnehmung klaffen hier besonders weit auseinander“, attestiert der Professor. Die Apotheker lernen darum, wie man verschiedene Personalgespräche führt.

Den Stoff bekommen die Studenten während einer fünftägigen Präsenzphasen an der Fachhochschule vermittelt, dann heißt es Selbststudium. Nach sechs Wochen wird der Stoff in einer Klausur geprüft. So soll es den Studenten ermöglicht werden, sich die Lernzeit selbst einzuteilen. „Tatsächlich bereitet man sich hauptsächlich in der letzten Woche auf die Klausur vor“, sagt Marc Stöcker, der den Studiengang in diesem Jahr belegt. Er ist Inhaber der Anna- und der Herzogen-Apotheke in Düsseldorf, im Juli eröffnet er eine dritte Apotheke.

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