ARD: Von Lieferengpass bis Apothekenkrise

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Berlin - „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“ Den Satz kennt jedes Kind. Wer regelmäßig Arzneimittel einnehme, wisse, was er an seinem Apotheker habe, heißt es in der ARD-Sendung „W wie Wissen“. Die Reporter zeigen jedoch auf, dass die Arzneimittelversorgung nicht selbstverständlich ist und der Einsatz der Apotheker lebensrettend sein kann.

Dank der Apotheke bekomme jeder in kürzester Zeit das Arzneimittel, das er benötigt. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, oder? Die Frage wird klar mit einem Nein beantwortet. Denn der Nachschub verschiedener Arzneimittel wird knapp. Lieferengpässe gehören zum Alltag in Apotheken. Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf kämpft Dr. Michael Baehr gegen die Lieferengpässe. Der Apotheker beschreibt die Lage als brisant: „Wir kämpfen jeden Tag darum, unsere Arzneimittel zu bekommen.“ Die Liste werde ständig länger. Ein Problem sieht der Apotheker in der großen Abhängigkeit, die in der Auslagerung der Produktion in andere Länder begründet ist.

Pharmakologe Professor Dr. Gerd Glaeske kritisiert die Lage seit Langem. Die Profitmaximierung stehe vor der Patientenversorgung, so der Pharmakritiker. Am Ende bekomme derjenige das Arzneimittel, der auch am meisten dafür bezahle. Auch Volker Bahr von Medac bedauert die Zustände: Der finanzielle Druck sei so groß, dass im Ausland produziert werden müsse. Denn dort herrschten andere Umweltstandards, eine andere Entlohnung und geringere Kosten. Arzneistoffe, die auf der Liste der essentiellen versorgungskritischen Wirkstoffe stehen, sollten beispielsweise vor Rabattverträgen geschützt werden, fordert Bahr.

Das Fazit: „Nur dank des Einsatzes von Ärzten und Apothekern ist bisher niemand durch Medikamentenengpässe zu Schaden gekommen.“ Dennoch gerate die Zunft des Apothekers immer mehr unter Druck – nicht zuletzt aufgrund des Bottroper Zyto-Skandals, der den Apothekern einen großen Vertrauensverlust einbrachte und die Forderung nach strengeren Kontrollen der Zyto-Laboren aufkommen ließ. Denn das System habe den Pfusch erst möglich gemacht. In Nordrhein-Westfahlen habe man reagiert: Die Zytostatika-herstellenden Apotheken sollen einmal im Jahr unangekündigt kontrolliert werden – inklusive Probe.

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