Fälschungen: Impfskandal erschüttert China

, Uhr aktualisiert am 23.07.2018 13:22 Uhr

Peking - Ein massiver Impfstoff-Skandal erschüttert China – möglicherweise sind Hunderttausende Kinder betroffen. Nach Enthüllungen über die regelwidrige Produktion von Tollwut-Impfstoffen bei einem Hersteller wurden nun die Details weiterer Fälle bekannt. Chinas Ministerpräsident Li Keqiang rief zu einer Untersuchung der Industrie und Bestrafung aller Verantwortlichen auf. Staatsmedien forderten, dass Lücken in der behördlichen Aufsicht geschlossen werden müssten.

Skandale mit fehlerhaften Medikamenten oder Nahrungsmitteln haben in China eine starke politische Sprengkraft, besonders wenn Kinder betroffen sind. Es gibt ohnehin wenig Vertrauen in die Aufsichtsbehörden. Auch werden Berichte in den Staatsmedien zensiert und geben selten ein volles Bild der Lage. Bei dem Mangel an Transparenz und angesichts des hohen Misstrauens in die Behörden verbreiten sich Gerüchte rasant über soziale Medien.

Die Arzneimittelaufsicht verfügte wegen „schwerer Verstöße gegen betreffende Gesetze und Vorschriften“ einen Produktionsstopp bei dem Tollwut-Impfstoff-Hersteller Changsheng Life Sciences in der Stadt Changchun (Provinz Jilin) in Nordostchina. Die Firma habe unter anderem Unterlagen über den Herstellungs- und Inspektionsprozess gefälscht, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua.

In den staatlich streng kontrollierten Medien tauchten keine Berichte auf, dass Menschen zu Schaden gekommen seien oder Tollwut bekommen hätten, weil die Medikamente fehlerhaft oder unwirksam waren. Es wird noch untersucht, ob die mangelhaft hergestellten Impfstoffe überhaupt gegen Tollwut schützen. Die Firma gab an, das Medikament sei „nicht schädlich“. Wie viele betroffene Tollwut-Impfdosen ausgeliefert oder verabreicht wurden, war unklar. 2017 produzierte die Firma davon drei Millionen.

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