Apothekerin vor Gericht

Kurzer Prozess bei Luftrezepten

, Uhr
Berlin -

Kurzer Prozess: Nur zwei Tage stand eine Apothekerin in Darmstadt vor Gericht, die jetzt wegen Abrechnungsbetruges zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt wurde. Ihr Geständnis verkürzte den Prozess, dessen Ermittlungen bereits im Jahr 2010 begonnen hatten.

Fast acht Jahre Ermittlungen, dann ging es überraschend schnell. Apothekerin Claire G. aus Dietzenbach hat zwischen Januar und November 2010 rund 250.000 Euro zu Unrecht bei Krankenkassen kassiert. „Die Angeklagte hat die Tatvorwürfe vollumgänglich gestanden“, so ein Gerichtssprecher. Das habe dem Gericht viel Arbeit in Form einer umfangreichen Beweisaufnahme erspart.

Der Fall ist spektakulär, zum Teil stellte die ehemalige Besitzerin einer Offenbacher Apotheke gefälschte Rezepte in Höhe von bis zu 10.000 Euro in Rechnung. Sie kaufte diese zu 5 bis 10 Prozent des tatsächlichen Rezeptwertes auf und ergaunerte sich auf diese Weise in einem kurzen Zeitraum eine Viertelmillion Euro.

Hinter dem Fall scheint sich eine menschliche Tragödie zu verbergen. Vor Gericht erzählte der Verteidiger der Apothekerin, dass die Angeklagte und ihr 80 Jahre alter Ehemann zuerst den Überblick über ihre Finanzen und dann wohl auch über weitere Teile ihres Lebens verloren hätten.

Bei der Durchsuchung der betroffenen Apotheke wirkte auf den ersten Blick alles normal. Die Offizin war sauber und aufgeräumt, hinter den Kulissen bot sich den Ermittlern allerdings ein Bild des Entsetzens. Die Hinterräume der Apotheke glichen einer Messie-Wohnung.

Bereits zu Beginn des Prozesses hatte die Richterin verkündet, dass es nach einem klärenden Gespräch mit der Angeklagten möglicherweise zu einer Bewährungsstrafe kommen könnte. Dieser Fall ist nun eingetreten.

Die Apothekerin kommt mit dieser Strafe vergleichsweise glimpflich davon, Bewährungsstrafen können bis zu einem Zeitraum von zwei Jahren ausgesprochen werden. Bereits im Jahr 2013 gab es in Frankfurt einen großen Luftrezept-Fall, damals wurde ebenfalls ein Apotheker des Betruges überführt. Ihm konnte nachgewiesen werden, sich insgesamt 1,7 Millionen Euro erschlichen zu haben. Er wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
Wenn Signatur und Verordner nicht übereinstimmen
E-Rezept: Keine Retax bei Abweichungen der Arztangaben »
Mehr aus Ressort
Römische Buchstaben statt Regionalbezeichnungen
Affenpocken: Untergruppen bekommen neutrale Namen »
Langjährige Angestellte übernimmt
Erst PTA, jetzt Inhaberin »

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Praxen erhalten Erstattung
2300 Euro für Konnektorentausch»
Hackerkollektiv „Zerforschung“
Datenpanne bei Doc Cirrus»
Schärfere Maßnahmen geplant
Affenpocken: USA rufen Notstand aus»
Per Aufkleber Daten über den Körper
Ultraschallpflaster: Blick ins Innere»
Nur drei von 21 Pasten können empfohlen werden
Kinderzahnpasta: Enttäuschung auf ganzer Linie»
Infektionskrankheiten mittels Bakteriophagen bekämpfen
Antibiotikaresistenz: Phagentherapie könnte helfen»
Kühlkette für mindestens 60 Stunden
Cube: Kühlbox für lange Flugreisen»
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
Nur noch Stehbetten im Notdienst»
A-Ausgabe August
90 Seconds of my life»
Kompetenter Begleiter für alle Leser:innen ab 60
my life Senioren»
Das Kindermagazin der my life Familie
Platsch»