VISION.A 2018

Apotheker, macht 'ne Plattform!

, Uhr
Berlin -

Apotheken als Streichelzoo? Können verbale Streicheleinheiten die Zukunft der Apotheken sichern oder wird es in 20 Jahren keine Apotheken mehr geben? Schriftstellerin Thea Dorn, Autor und Spiegel-Online Kolumnist Sascha Lobo, Wirtschaftshistoriker Professor Dr. Klemens Skibicki und Andreas Arntzen, CEO Wort & Bild Verlag, diskutierten diese und weitere Fragen unter der Moderation von Dr. Hajo Schumacher auf der VISION.A-Bühne.

Gibt es eine Angst vor dem Rollenwechsel? Die Zukunft der Gesundheitsversorgung und der Apotheke scheint bereits nach der Keynote von Lobo in der Schaffung einer gemeinsamen Plattform zu liegen. „Eine Plattform hätte Symbol- und Signalwirkung.“ Auch Skibicki hält dies in der anschließenden Debatte für schlau. Man müsse die Vorteile der vertrauten Marke in das Plattform-Zeitalter übersetzen. „Man muss die beste Lösung für den Markt finden“, stimmt Arntzen zu. „Alle Apotheken zusammen haben die Möglichkeit eine Plattform aufzubauen“. Dies sei zwar eine „große Herausforderung“ aber möglich, wirft Lobo ein. Gerade mit Blick auf die „zerfranste Apotheken-Landschaft“.

Apotheker scheinen mit ihrer Standesvertretung, die ein „lebhaftes Anthrazit“ darstelle, unzufrieden. Daher müsse man erst eine Einheit schaffen, mahnt Skibicki. Ziel sei jedoch nicht primär eine Online-Plattform, sondern das Vernetzen miteinander. So könne man für einander da sein und sei aufmerksamer.

Apotheker können optimistisch in die Zukunft schauen, meint Arntzen, auch mit Blick auf die Verbände. Man müsse nur auf andere Branchen schauen, denn alle haben oder hatten das Problem. Wie haben die anderen eine Plattform erstellt? Mit dem Weitblick könne man schneller eine Lösung finden als vor fünf oder zehn Jahren. Beispiel und Vorbild seien die Steuerberater, die bereits 1966 Datev als digitale Plattform gründeten und erkannten, dass digitale Datenströme für sie wichtig sind.

Vielleicht sei eine „digitale Genossenschaft für Apotheken“ nicht das Problem, findet Dorn, jedoch könne man nicht einfach davon ausgehen, dass die Menschen mitspielen. Man unterschätze das wachsende Gruseln vor dem, was es bedeute, wenn die eigenen Daten für jeden zugreifbar wären. Man schaffe sich durch die Digitalisierung ein totalitäres System. Die Vergangenheit zeige jedoch, das totalitäre Systeme in der westlichen Welt nie lange Bestand haben.

„Die jungen Menschen, die mit der Digitalisierung aufwachsen, haben einen anderen Sinn von Freiheit“, wirft Lobo ein. Freiheit scheint fast ein Trugschluss, so Arntzen: „auch eine Nichtnutzung von Daten, führt zu einer brauchbaren Aussage und einer Klassifizierung“. Ein vernetztes Denken sei mit Blick auf die Apotheken nötig. Ergebnis sei eine engere Beziehung zum Kunden. Digitalisierung beginne im Kopf. Eine Plattform könne man nicht auf einmal schaffen, sondern nur Schritt für Schritt, so Lobo. „Der Drops ist noch nicht gelutscht.“ Denn für Lobo ist der einfachste Echtzeitdatenstrom immer noch der Dialog.

Kunden hoffen in der Apotheke auf Aufmerksamkeit und verbale Streicheleinheiten, die sie bei den Versendern nicht erfahren werden. Dorn schließt die Runde mit einem Lob an das Analoge. Mit „ihrer“ Apothekerin könne sie noch ein richtiges Gespräch führen – anders als mit Siri, die nicht mehr weiter wisse, wenn es interessant werde.

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