Dumpingpreise bei Apothekenkosmetik

Wegen Douglas: Lierac schmeißt Versender raus

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Berlin -

Der französische Kosmetikhersteller Alès Groupe hat turbulente Zeiten erlebt. Nach mehreren Wechseln in Führungspositionen und fehlenden Ansprechpartnern für Apotheken blickt das Unternehmen jetzt nach vorne. Der neue Geschäftsführer Andreas Lerche will aufräumen und die Premiummarke Lierac mit einem neuen Depotvertrag stärken. Dadurch sollen Discountangebote bei Versandapotheken und bestenfalls die Listung bei Douglas verschwinden.

Alès vertreibt in Deutschland drei Marken: Lierac, Phyto und seit vergangenem Jahr Joawé. Der Standort in Frankfurt am Main wurde 1991 als zweite ausländische Niederlassung nach den USA gegründet. Die Firma wurde bis Oktober 2015 knapp sieben Jahre von Stephanie Maurer geführt. Im Anschluss übernahm die Ärztin Dr. Yuliya Zielinski, die zuvor bei Beiersdorf, L’Oréal und Johnson & Johnson (J&J) tätig war. Auf sie folgte Anfang 2017 die ehemalige L’Oréal-Managerin Katrin Hermann.

Im November 2018 übernahm Lerche, der bereits seit April 2017 als kaufmännischer Leiter für Alès tätig ist und aus dem Einzelhandel kommt. „Es war klar, dass wir uns sanieren müssen“, sagt er. „Wir sind seit vergangenem Herbst guten Mutes.“ Der Verkaufsexperte baut derzeit einen neuen Außendienst mit aktuell elf Mitarbeitern auf. Zudem besetzte er den Posten der Vertriebsleitung mit Latefa Hirt neu. Die PTA ist seit fünf Jahren für den Hersteller tätig und war zuvor bei Stada. „Mir war es wichtig, dass es ein bekanntes Gesicht ist.“

Das Marketing leitet seit November Birgit Fichtner, die aus dem Handel kommt und zuvor für einen Konsumgüterhersteller tätig war. „Damit kommt frischer Wind in das Unternehmen“, so Lerche. Mit den Neubesetzungen will er Stabilität und Ruhe zurückbringen. „Wir hatten über viele Jahre hinweg unbesetzte Gebiete. Das wird sich ändern.“ Die stationäre Apotheke „ist unser angestammter Kanal“. Die Gruppe erwirtschaftet in Deutschland knapp 90 Prozent des Gesamtumsatzes von rund 8,3 Millionen Euro vor Ort und ist in rund 1000 Apotheken vertreten.

Umso ärgerlicher sei es, dass die Marke Lierac im Onlinehandel vereinzelt zu Dumping-Preisen angeboten werde, so Lerche. „Das passt nicht zum Image einer Premiummarke.“ Deshalb wurde der Depotvertrag für die drei Marken angepasst. Die Homepage der Versender muss der Vereinbarung zufolge entsprechend der Qualität der Vertragsprodukte ausgestaltet sein und weder durch ihren Namen oder der Domain den Eindruck erwecken, dass wie bei einem Discounter minderwertige oder überwiegend besonders preisgünstige Produkte verkauft werden.

Zudem müsse die Präsentation und der Inhalt der Website dem Image der Vertragsprodukte entsprechen. Nicht gern gesehen sei die „discountmäßige Preispräsentation mit durchgestrichener UVP, hohen Prozentnachlässen und in rot markierten Preisen“, so Lerche. Dabei gehe es nicht darum, den Apothekenkunden die Preise vorzuschreiben. Discount-Versender nutzten aber die Marke Lierac, um ihr Image aufzupolieren, sagt er. „An Dumping-Versendern haben wir kein Interesse.“

Im Visier seien vor allem ausländische Versandapotheken gewesen. Nachdem ein führender Versender nicht von seiner Darstellung abgewichen sei und den Vertrag nicht unterschrieben habe, habe man die Belieferung eingestellt. Akutell würden nur noch Restbestände abverkauft. Um wen es sich handelt, will er nicht verraten.

Mit diesem Schritt hofft er, auch den unerlaubten Verkäufen von Lierac über den Online-Shop von Douglas unterbinden zu können. Seit kurzem bietet die Parfümeriekette im Bereich Pharma Beauty zusätzlich zu Eucerin (Beiersdorf), Vichy, La Roche-Posay, SkinCeuticals (L‘Oréal) und Avène (Pierre Fabre) auch die Alès-Marke an.

Dagegen vorzugehen, sei „eine mühsame Geschichte“, so Lerche. „Douglas vertreibt alte Ware, die teilweise nicht mehr den Vorgaben der neuen Kosmetikverordnung entspricht.“ Zudem würden Sonnenprodukte angeboten, die älter als zwei Jahre und damit nicht mehr 100 Prozent wirksam seien. Er ist mit dem Düsseldorfer Konzern in Kontakt und hofft, die Graumarktgeschäfte unterbinden zu können.

Das Unternehmen wurde 1969 vom Friseur Patrick Alès gegründet, zu dessen Kunden unter anderem Jacky Kennedy und Brigitte Bardot zählten. Sein Pariser Salon gehört noch heute zur Gruppe. Beim Frisieren stellte er fest, wie wichtig gesunde Kopfhaut für schönes Haar ist. Er begann, selbst Produkte auf pflanzlicher Basis zu entwickeln und brachte Phyto auf den Markt. Lierac gehört seit 1979 zum Portfolio und geht auf einen Schönheitschirurgen zurück, der ein Produkt gegen Dehnungsstreifen entwickelt hatte.

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