Impfstofflogistik: Das unnötige Chaos

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Berlin -

Das Hin und Her der Politik bei Impfstofflogistik und Tests sorgt für organisatorisches Chaos in der Versorgung. In Sachsen-Anhalt beispielsweise kam der Direktbezug von Impfstoffen für die Impfteams de facto niemals zustande: Erst hielten die zuständigen Impfzentren die Lagerbestände für ausreichend, und als die Infektionszahlen explodierten, hätte auch der Direktbezug nicht mehr gereicht. Im November ging es nun zurück zum Status Quo Ante – nachdem das Bundesgesundheitsministerium (BMG) per Verordnungen die Strukturen zerschlagen hatte, die sich in den vorangegangenen Monaten bewährt hatten.

Zu sagen, dass die Logistik hinter den Impfungen nach dem kurzen Intermezzo im Oktober wieder von vorn anfängt, wäre fast untertrieben. Denn in mancherlei Hinsicht ist es nun schwieriger als zuvor: Ende September wurden die Impfzentren geschlossen, Ärzte und Impfteams sollten übernehmen und dabei von Apotheken einerseits und den Ländern andererseits beliefert werden. Wie genau das organisiert wird, war je nach Bundesland nochmal unterschiedlich, aber die Probleme dürften sich nun vielerorts gleichen.

„Ich halte mich mit solchen Formulierungen eigentlich immer zurück, aber im Moment ist es wirklich chaotisch – und zwar aus meiner Sicht gänzlich ohne Not“, sagt Boris Osmann, der mit seiner Stern-Apotheke die Corona-Impfstofflogistik für das Bundesland Sachsen-Anhalt betreibt. Dass zumindest im Oktober vom Direktbezug noch nicht viel zu erwarten ist, hatte er genau so bereits vorhergesagt: Denn die Impfkampagne war in den Wochen davor äußerst schleppend gelaufen, die geschlossenen Impfzentren hatten volle Lager und konnten ausreichend Vakzine an die Impfteams verteilen. Nach einer letzten Lieferung Ende September seien die Impfzentren ausgestattet, um erst einmal autark weiterzuarbeiten, so seine Prognose damals. „Der Direktbezug hat nie stattgefunden, weil kein Leidensdruck da war. Die Impfzentren dachten, sie haben ja noch massenhaft auf Lager“, sagt Osmann nun.

Was er jedoch nicht vorhergesehen hatte: Dass der Leidensdruck bald sprunghaft steigen und das BMG die neue Regelung schon nach wenigen Wochen wieder über Bord werden würde. „Als die Zahlen Anfang November explodierten, hieß es dann, dass es so nicht mehr geht und wir die Impfzentren wieder eröffnen müssen“, erzählt Osmann.

Tatsächlich trat am 16. November die neue Corona-Impfverordnung (ImpfV) in Kraft: Mit ihr änderte sich die Impfstoffbeschaffung für die Leistungserbringer erneut. Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) – inklusive der von ihnen beauftragten Dritten sowie Impfzentren und mobilen Impfteams – können Impfstoffe seitdem direkt über das Land beziehen. Die Bestellung über die Apotheken blieb als zweite Option.

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