Desinfektionsmittel und Atemmasken

Coronavirus: Hamsterkäufe und Wucherpreise

, Uhr
Berlin -

Atemschutzmasken fehlen bereits seit Längerem in den Apotheken. Seit der erste Corona-Fall am 28. Januar in Deutschland bestätigt wurde, erhöhte sich die Nachfrage rasant. Nachdem die Behörden über den Nutzen einer angemessenen Händehygiene informierten, laufen nun auch die Lager bei Desinfektionsmitteln leer. Die Preise steigen, Atemschutzmasken werden im Internet bereits zu Wucherpreisen angeboten.

Die Hamsterkäufe haben begonnen. Egal ob stationäre Apotheke, Versandapotheke, Drogeriemarkt oder Baumarkt – Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel sind zur Mangelware geworden. Gerade in den Großstädten neigen sich die Vorräte dem Ende zu. Über den Großhandel lassen sich keine FFP3-Masken mehr bestellen. Auch Anbieter von Apothekenbedarf sind nur bedingt lieferfähig. In Baumärkten sind auch Halb- und Vollmasken, die eigentlich für den Einsatz bei Schreiner- oder Lackierer-Arbeiten gedacht sind, ausverkauft. Auslöser für den raschen Anstieg der Nachfrage war der erste bestätigte Corona-Fall in Bayern – seit dem 28. Januar häufen sich die Nachfragen nach Atemschutzmasken in den Apotheken.

Desinfektionsmittel

Geeignete Desinfektionsmittel für intakte Haut sind auf Alkoholbasis und farbstoff- und parfümfrei. Die bekanntesten Hersteller, darunter Hartmann und Schülke, können die hohe Nachfrage nicht bedienen. In Berlin beispielsweise können aktuell nur noch die Gebinde à 500 ml bestellt werden – 50 ml, 100 ml und 1000 ml sind über den Großhandel nicht lieferbar. Die Kunden weichen auf Alternativen aus: „Zunächst konnten wir kein Sterillium Virugard mehr bestellen, nun bekommen wir auch bei dem blauen Sterillium Pure noch noch die Flasche zu 500 ml“, berichtet eine PTA aus der Hauptstadt. Online haben die Händler ihre Preise erhöht – im Durchschnitt sind die Kosten um 5 Euro pro Liter gestiegen. Die Listenpreise in den Apotheken sind unverändert.

Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden bis zu 80 Prozent der Grippeviren durch eine Verschleppung über die Hände übertragen – dies könnte auch für Covid-19 gelten. Häufiges Händeschütteln, öffentliche Verkehrsmittel, der Kontakt mit Türgriffen und das Nutzen sanitärer Einrichtungen sind die häufigsten Keimquellen. Alle zuständigen Behörden informieren zur Zeit darüber, dass eine zeitnahe und regelmäßige Reinigung der Hände die Möglichkeit einer Ansteckung stark reduzieren kann.

Für unterwegs gibt es kleine Fläschchen mit alkoholhaltigen Flüssigkeiten oder Gelen. Sie enthalten meistens Ethanol oder Isopropanol. Um die Haut nicht übermäßig zu strapazieren, empfiehlt es sich, auf häufiges Händewaschen zu verzichten. Die Anwendung von Wasser und Seife weicht die Hornschicht der Haut auf. Laut Angaben des Robert-Koch-Institut (RKI) ist Händewaschen als alleiniger Standard für die Infektionsprävention nicht geeignet.

Atemschutzmasken

B. Braun bestätigte bereits vor einem Monat eine erhöhte Nachfrage nach Atemschutz. Damals teilte ein Sprecher des Unternehmens mit: „Je nach weiterer Entwicklung der weltweit steigenden Nachfrage könnte es in der Zukunft zu der Situation kommen, dass nicht in allen Fällen Kundenaufträge vollständig ausgeführt werden können.“ Da die Infektion sich binnen weniger Tage weltweit verbreitete, kann die Nachfrage aktuell nicht bedient werden.

3M hatte die Produktion in China bereits erhöht. Laut einem Sprecher werden die Nachfragen engmaschig beobachtet, um sicherzustellen, dass die Lagerbestände für die Endkundennachfrage ausreichen. Zumindest für den deutschen Markt ist dies nichr mehr der Fall – weder stationär, noch online können die Endverbraucher aktuell Masken kaufen.

Halb- und Vollmasken

Wer sich schützen möchte und keine FFP3-Maske mehr bekommen konnte, der weicht auf Halb- und Vollmasken aus. Hersteller wie 3M bieten zahlreiche Varianten für den Arbeitsschutz an: Neben verschiedenen Größen kann zwischen verschiedenen Filtereinheiten und Sonderfunktionen gewählt werden. Zu den Sonderfunktionen gehört beispielsweise ein integrierter Dichtigkeittest; dieser zeigt dem Träger an, ob tatsächlich keine schädlichen, zum Teil geruchslosen Gase in die Maske eindringen.

Halbmasken liegen preislich bei rund 20 bis 30 Euro. Der Preis für eine Vollmaske beginnt bei rund 80 bis 100 Euro. Um sich tatsächlich zu schützen, müssen Filterdeckel, Filtereinheit und Filterbasis mit dazu gekauft werden. So steigt der Preis pro Maske um weitere 10 bis 20 Euro. Wer im Baumarkt nicht mehr fündig wird, der bestellt online. Nicht jeder Shop hat alle benötigten Teile mehr auf Lager. Der Vorteil der Masken: Wird das Atmen durch den Filter schwieriger, so kann dieser einfach ausgetauscht werden, die Maske an sich kann weiter verwendet werden.

Seit Beginn der Pandemie in Europa tauchen zahlreiche Onlineshops wie Corona-Schutz24.de auf, die Masken zu horrenden Preisen anbieten. Einfache FFP3-Masken kosten bei diesen Händlern 30 Euro oder mehr. Nicht nur bei Endverbrauchern gibt es Hamsterkäufe – auch auf Distributionsebene scheinen einige Händler ein Geschäft mit dem Virus gewittert zu haben.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
„Sie lügen doch!“ – Testkunde fliegt auf»
„Wir haben einen Flickenteppich und nichts funktioniert“
eGK und Gematik-App: Apothekerin verzweifelt fast»
Billigere Tests und mehr Personal
TestV: „Schikane den Apotheken gegenüber“»
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»