Wucher: Apotheke verkauft Sterillium für 32 Euro

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Berlin -

Mit Blick auf überhöhte Preise für Schutzmasken hatte erst kürzlich Apothekerin Theresia Weigel den Onlinehandel kritisiert: „Wenn ein Produkt knapp wird, steigen im Onlinehandel die Preise ohne Gewissensbisse. So etwas werden Vor-Ort-Apotheken niemals tun“. Nun muss sie sich eines Schlechteren belehren lassen. In Hennef hat eine Apotheke eine 100ml-Flasche „Sterillium Virugard“ für 32 Euro verkauft. Normalerweise kostet das Desinfektionsmittel rund fünf Euro.

Gepostet hatte den Kassenzettel über sage und schreibe 64 Euro für zwei Flaschen eine Hörerin von Radio Bonn/RheinSieg auf deren Facebookseite. In kurzer Zeit meldeten sich dort 726 Leser mit Kommentaren zu Wort. Die meisten diskutieren über das Hamsterphänomen der Corona-Krise und geben Tipps zum Händewaschen mit Wasser und Seife. Ein anderer schreibt: „Angebot und Nachfrage – aber den Apotheker würde ich nie wieder aufsuchen ...das ist sehr kurzfristig gedacht.“ „Selbst schuld, dass man so viel zahlt, nur weil man auf die Panikmache reagiert... man sollte sowieso Desinfektionsmittel im Haus haben für die normale Hygiene in den kalten Monaten“, findet eine andere Kommentatorin. Einen Shit-Storm gegen die Apotheke gibt es dort allerdings nicht.

Aufgegriffen wurde dasselbe Thema auch von der „Aktuellen Stunde“, einem TV-Nachrichtenmagazin des WDR. Dort beteilgten sich über 1000 Personen an der Diskussion. Unter anderem postete die Redaktion auch eine Stellungnahme der Apothekerkammer Nordrhein zu dem Vorgang: „Wir haben eine Stellungnahme von der Apothekerkammer Nordrhein eingeholt. Geschäftsführer Stefan Derix sind solche Fälle nicht bekannt. Er sei überzeugt, dass die Apothekerinnen und Apotheker ihrer Verantwortung nachkämen, könne aber keine Aussage machen, ob alle sich verantwortungsvoll verhielten. Darüber hinaus erklärt Derix: ‚Wir wollen mit der Krise kein Geld verdienen.'" Auch der Apothekerverband Nordrhein wurde von der Aktuellen Stunde kontaktiert. „Der Apothekerverband sagt: das sei ein Einzelfall“, so die Redaktion.

Der Redaktion von Radio Bonn/Rhein Sieg ist die Apotheke bekannt und hat nach eigenen Angaben auch mit der Apothekerin gesprochen. Diese habe dazu keine Stellungnahme abgeben wollen, so die Redaktion. Im Telefonat habe diese allerdings wegen des hohen Preises kein schlechtes Gewissen gezeigt.

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