Corona-Impfstoff: Hennrich keilt gegen Sanofi

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Berlin - Der französische Pharmakonzern Sanofi hat zwar versichert, einen künftigen Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 allen anzubieten. „Der Impfstoff gegen Covid-19 wird allen Bürgern zur Verfügung gestellt werden, ungeachtet ihrer Nationalität”, zitierte Sanofi Frankreich den Generaldirektor Paul Hudson. Für Ärger sorgt allerdings die Aussage, die USA bevorzugt zu behandeln. Auch CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich will das nicht so stehen lassen, keilt zurück und droht Sanofi mit dem Ausschluss vom deutschen Arzneimittelmarkt.

In einem Interview habe Hudson deutlich gemacht, dass die USA bei dem Impfstoff Vorrang hätten, berichtete die US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch. Die USA hätten als erste die Forschung unterstützt. Die US-Regierung habe „das Recht für die größte Vorausbestellung”, zitierte die Agentur den Sanofi-Chef. Es stimme, dass der Pharmakonzern eine Zusammenarbeit mit der US-Regierung begonnen habe, sagte Olivier Bogillot, Frankreich-Chef von Sanofi. Die EU müsse ebenso „wirksam” dabei helfen, den Impfstoff verfügbar zu machen, betonte er.

Die Aussagen Hudsons sorgten zuerst in Frankreich für Kritik an dem Pharmariesen. Es wäre inakzeptabel, wenn ein Land einen privilegierten Zugang zu einem Impfstoff erhalten würde, sagte die Staatssekretärin im französischen Wirtschafts- und Finanzministerium, Agnès Pannier-Runacher, im Radiosender Sud Radio. Die beiden Pharmakonzerne Sanofi und GlaxoSmithKline hatten bereits im April mitgeteilt, sie wollten gemeinsam an einem Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 arbeiten. Sollten Tests erfolgreich verlaufen, könnte ein Impfstoff in der zweiten Jahreshälfte 2021 verfügbar sein. Sanofi teilte nun via Twitter mit, die Teams des Unternehmens seien bemüht, die Entwicklung eines Impfstoffs zu beschleunigen.

Jetzt reagierte auch Hennrich verärgert auf Sanofi: „Das Pharmaunternehmen Sanofi kündigt an, einen möglichen Impfstoff gegen Covid 19 bevorzugt nach Amerika zu liefern. Da stellt sich schon die Frage, ob ein solches Unternehmen bei der Versorgung von Patienten in Deutschland die notwendige Zuverlässigkeit besitzt. Innovationen für USA, den Ramsch für Europa. Das funktioniert nicht. Es wäre rechtlich sicher nicht ganz einfach – aber solche Unternehmen müsste man dann ganz aus der Versorgung ausschließen.“ Auf Hennrichs Facebookseite empfiehlt ein Kommentator, nicht immer alles gleich zu glauben. Daraufhin keilt Hennrich zurück: „Da versucht gerade ein Unternehmen ein ganz perfides Spielchen zu treiben. Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.“

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