AstraZeneca: Jetzt wird auf eigenes Risiko geimpft

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Berlin -

Mehrere Bundesländer haben den Corona-Impfstoff von AstraZeneca freigegeben – weitere werden wohl folgen: Wer das Risiko der seltenen Nebenwirkungen auf sich nehmen will, kann sich mit der Vakzine impfen lassen. Es wirkt wie eine Verzweiflungstat: Weil nach der Einschränkung durch die Experten die Verunsicherung so groß geworden ist, dass der Impfstoff ungenutzt zu bleiben droht, sollen die Laien nun selbst zwischen Nutzen und Risiko abwägen. Die Ärzt:innen geraten dadurch in eine schwierige Lage, doch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) duckt sich weg, kommentiert Patrick Hollstein.

Das Wirrwarr um den Impfstoff von AstraZeneca erreicht einen grotesken Höhepunkt. Nachdem die Vakzine wegen fehlender Daten zunächst nicht bei Menschen über 65 Jahren eingesetzt werden sollte, wurde die Empfehlung nach dem Auftreten von Sinusvenenthrombosen ins Gegenteil verkehrt: Nur Menschen über 60 Jahren sollen den Impfstoff erhalten, so empfiehlt es aktuell die Ständige Impfkommission (Stiko).

„Nach ärztlichem Ermessen“ könne die Vakzine auch bei jüngeren Patienten zur Anwendung kommen, lautet die Einschränkung, mit der Praxen und Impfzentren die Möglichkeit eröffnet werden sollte, ungenutzten Impfstoff an Patient:innen von ihren Wartelisten zu verimpfen. Weil das aber die Ärzt:innen vor das Dilemma stellt, selbst abwägen zu müssen, bei wem mit der seltenen, aber mitunter tödlichen Nebenwirkung zu rechnen ist, hat die Stiko nun auf Druck der Ärzteschaft nachgebessert: „Nach ärztlicher Aufklärung“ kann Vaxzevria gespritzt werden, heißt es in der überarbeiteten Stellungnahme.

Womit die Entscheidung nun endgültig auf Ebene der Patienten angekommen ist – also dort, wo die Sache ja eigentlich am wenigsten objektiv eingeschätzt werden kann. Nicht medizinische Erwägungen spielen eine Rolle, sondern die Abwägung zwischen Virus und Nebenwirkung: Wer mehr Angst vor einer Infektion hat, wird eher das Risiko eingehen. Es ist eine medizinische Bankrotterklärung.

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