Schichtbetrieb: Apotheker muss sich von Frau und Kindern trennen

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Berlin - Apotheken sind oft Familienbetriebe und das ist in den allermeisten Fällen auch gut so. Umso schwerer kann es dann jedoch wiegen, wenn aufgrund der aktuellen Situation harte Einschnitte anstehen: Dr. Johannes Ungvari hat es besonders schwer getroffen. Weil er normalerweise zusammen mit seiner Frau in der Offizin steht, musste er sich aus Gründen des Infektionsschutzes von seiner eigenen Familie isolieren: Frau, Kinder, Mutter, Vater. Seit über einer Woche kann er sie maximal aus der Ferne sehen – und ein Ende der Maßnahme ist noch nicht in Sicht.

Eigentlich ist Ungvaris Apotheke nicht in der schlechtesten Personalsituation. „Formell habe ich vier Vertretungsberechtigte“, sagt der Inhaber der Aesculap-Apotheke im thüringischen Altenburg. „Aber mit sowas rechnet ja keiner!“ Sowas, das ist die aktuelle Coronakrise. Denn nach wie vor sind die behördlichen Maßnahmen, die beispielsweise im Falle einer Infektion innerhalb eines Apothekenteams ergriffen werden, ein Flickenteppich. Es sind die jeweiligen Gesundheitsämter, die beschließen, was im Fall der Fälle getan werden muss. Deshalb griff Ungvari zum Telefon und fragte das zuständige Gesundheitsamt: Was passiert, falls wir eine Infektion im Team haben? Die Antwort bereitete ihm Kopfzerbrechen: Dann muss das gesamte Apothekenteam in Quarantäne – schließlich hatten ja dann alle Kontakt zur infizierten Person.

Für Ungvari war das der Startschuss, seine bereits zuvor gemachten Pläne für einen Schichtbetrieb mit zwei Teams umzusetzen: Team 1 arbeitet Montag, Mittwoch und Freitag, Team 2 Dienstag, Donnerstag und Samstag. In der Folgewoche tauschen beide Teams die Schicht, damit alle trotz Minusstunden zumindest auf die gleiche Stundenzahl kommen und nicht ein Team mehr arbeiten muss als das andere.

Doch ab da wurde es kompliziert: Von den vier Vertretungsberechtigten ist nämlich eine seine Frau, eine seine Mutter und die anderen beiden sind Pharmazieingenieure. Hinzu kommt ein Schicksalsschlag: Der Vater von einer der beiden Pharmazieingenieure wurde positiv auf Sars-CoV-2 getestet – seine Mitarbeiterin ist daher als Kontaktperson noch bis zum 6. April in Quarantäne und fällt aus. Der anderen Pharmazieingenieurin könne er nicht zumuten, möglicherweise über Wochen ein Team allein zu führen, sagt Ungvari.

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