Zwei Wochen Apotheke oder zwei Wochen Quarantäne

Grenzen dicht – Apotheker kommt nicht mehr nach Hause APOTHEKE ADHOC, 12.04.2020 09:14 Uhr

Berlin - Jahrzehntelang ist Europa zusammengewachsen – und wird jetzt durch die Coronakrise wieder auseinandergerissen. Die Grenzen sind dicht, der Personenverkehr ist stark eingeschränkt. Wer in Grenznähe wohnt und arbeitet, spürt das am eigenen Leib. Apotheker Tomasz Lewandowski lebt in Polen und arbeitet in Deutschland – bisher zumindest. Aufgrund der Präventionsmaßnahmen der polnischen Regierung kann er nicht mehr einfach so nach der Arbeit nach Hause. Zwei Wochen lang ist er von seiner Familie getrennt, um in der Apotheke arbeiten zu können.

Viele sehen die derzeitige Sars-CoV-2-Pandemie als die Stunde der Nationalstaaten – und das ist meist nicht positiv gemeint. Die europäischen Staaten haben vor allem zu Beginn der Krise oft unkoordiniert und selbstbezogen gehandelt: Grenzen wurden unabgestimmt geschlossen, der Reiseverkehr eingeschränkt, Schutzausrüstung zumeist im eigenen Land gehortet. Viele Errungenschaften der europäischen Integration liegen im Moment auf Eis. Und das ist keine theoretische Feststellung. In den Grenzgebieten war es bisher vollkommen normal, in einem Land zu wohnen und in im anderen zu arbeiten.

Auch in Sachsen: Von Bad Muskau bis nach Żary sind es knapp 60 Kilometer – eine Stunde Autofahrt, die Apotheker Tomasz Lewandowski täglich pendelt, um in der Markt-Apotheke von Rüdiger Halbauer zu arbeiten. Ein Problem war das nie, bis die Pandemie kam. Am 15. März, einer Nacht von Sonntag auf Montag, hat Polen die Grenzen geschlossen. „Polen hat zur Eindämmung drastische Einschränkungen des Personenverkehrs eingeführt. Flug-, Bahn- und Schiffsverbindungen für den Personenverkehr nach Polen werden unterbrochen“, meldete die deutsche Botschaft in Warschau. „Zusätzlich wurden zunächst befristet bis zum 13. April wieder Grenzkontrollen eingeführt und zahlreiche Übergänge von Deutschland nach Polen ganz geschlossen.“

Für Lewandowski wäre das eigentlich nicht das allergrößte Problem: Als polnischer Staatsbürger darf er trotzdem ein- und auch wieder ausreisen. Und es ging auch. Sein Chef stellte ihm ein Schreiben aus, dass seine Tätigkeit in der hiesigen Apotheke bestätigt – das wurde aber beim Grenzübertritt nicht einmal kontrolliert. Das große Problem kam jedoch mit einer anderen Maßnahme: Am darauffolgenden Wochenende – Lewandowski war zuhause – hörte er in den Nachrichten von einer Verschärfung der Pandemie-Maßnahmen. Denn die polnische Regierung hatte entschieden: Wer aus dem Ausland nach Polen einreist, wird pauschal 14 Tage isoliert. „Wir haben direkt in der Apotheke angerufen und gefragt, was wir nun machen können“, erzählt er.

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