Coronakrise fordert ihren Tribut

11 von 17 Mitarbeitern ausgefallen: „Ich habe halt gerade viel Pech“

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Berlin -

In diesen Zeiten ist es wichtiger denn je, sein Team richtig zu organisieren. Viele Apotheken richten gerade ein Schichtsystem ein – daran ist bei Inhaber Henning Denkler gerade nicht zu denken. Er hat derzeit mit dem Ausfall von 11 seiner 17 Mitarbeiter zu kämpfen. Die Mehrarbeit bleibt zu großen Teilen an ihm hängen – doch das tut seiner Laune keinen Abbruch.

Der Stress der vergangenen Wochen hat offenbar seinen Tribut gefordert. Denn von den elf Ausfällen, die Denkler im Moment zu verkraften hat, sind sechs krankgeschrieben. „Bei denen bin ich mir sicher, dass es an dem enormen Stress der letzten Wochen liegt. Das sind PTA, die sonst nie krank sind und wochenlang eine Erkältung mit sich rumgeschleppt haben, die dann richtig ausbricht“, sagt er. „Selbst meine Auszubildende, die ansonsten selbst einarmig zur Arbeit kommen würde, ist krankgeschrieben!“

Hinzu kommt eine Mitarbeiterin im Urlaub, drei, die überstundenfrei haben, weil sie zu einer Risikogruppe gehören, sowie der Botendienstfahrer. „Der ist über 80, den kann ich nicht guten Gewissens fahren lassen“, sagt Denkler. „Ich habe halt gerade viel Pech. Wir werden heute rund 320 Kunden haben und sind zwei Handverkäufer und ein Apotheker im Praktikum.“ Den Botendienst fährt er mittlerweile selbst nach 18 Uhr aus. Entsprechend sieht sein Arbeitspensum derzeit aus: „Ich persönlich bin am stärksten belastet, ich arbeite montags bis samstags jeweils von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends.“

Dabei hat er die Öffnungszeiten seiner Regenbogen-Apotheke in Remscheid bereits verringert, von vormals 8 bis 21 Uhr auf 8 bis 18 Uhr. „In der Zeit bis 20 Uhr hatten wir bisher noch eine Rumpfbesatzung in der Apotheke, die die Telefondienste macht. Am Donnerstag habe ich da aber auch noch eine Telefonumleitung auf mein Diensthandy eingestellt und das selbst übernommen.“ Man sollte also denken, Denkler ist am Ende mit den Nerven – doch Fehlanzeige: „Aber wir schaffen es trotzdem irgendwie, die Stimmung ist gut.“

Dass es trotz der außergewöhnlichen Belastung gut läuft, habe vor allem einen Grund: Denkler und sein Team sind gut eingespielt. „Das Kernteam arbeitet wirklich super zusammen“, lobt er seine Mitarbeiter. Das alles heißt jedoch bei weitem nicht, dass es leicht fallen würde. „Das Arbeiten ist nicht schön, es ist wahnsinnig viel und ich arbeite wirklich am Anschlag. In meinem Büro sieht es aus wie in einem Altpapiercontainer, in dem jemand sitzt.“ Dennoch, wenn er sich anderswo umschaut, wolle er wolle sich über die Situation nicht beschweren. „Jeder Gastronom, Friseur oder Ladenbesitzer würde mir sagen, ‚Henning, deine Probleme hätte ich gern‘. Ich bin lieber in meiner Situation als der anderen.“

Dabei hat auch seine Apotheke wegen der aktuellen Situation Einbußen zu verkraften. Doch die könnten eben auch ungelegener kommen. Denklers Apotheke liegt in einem Einkaufscenter – doch er betont umgehend, dass es keine Shoppingmall ist, sondern „eher eine überdachte Einkaufsstraße“. Die ist natürlich auch betroffen: Alle Geschäfte außer dem Kaufland und Denklers Apotheke sind geschlossen. „Von daher merke ich natürlich, dass weniger Menschen unterwegs sind. Aber wir haben den Vorteil einer guten Parksituation und einer zentralen Lage.“

Sein Kundenaufkommen sei geschätzt um 25 bis 35 Prozent zurückgegangen. Das bedeutet jedoch nicht unbedingt einen entsprechenden Rückgang des Arbeitsaufwandes. „Dafür haben Telefonanfragen und Lieferungen überhandgenommen.“ Bei den Rezepten sei es ein Einbruch um rund ein Viertel. „Die Einnahmen sind auch weniger geworden, das merkt man schon.“ So weit, dass er Soforthilfen oder Hilfskredite beantragen will, sei es allerdings noch nicht gekommen. Und über Kurzarbeit braucht er im Moment ohnehin nicht nachzudenken.

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