Zweite Welle: Zurück zum Schichtsystem?

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Berlin - Deutschland steckt mitten in der zweiten Welle und die Apotheken stehen wieder vor wichtigen Entscheidungen, wie sie mit der sich verschärfenden Situation umgehen. Was passiert zum Beispiel bei einer Covid-19-Infektion im Team? Im Frühjahr stand vielerorts die Befürchtung im Raum, dass dann das ganze Team in Quarantäne muss. Als Lösung haben sehr viele Apotheken auf Schichtbetrieb gesetzt. Hat sich das bewährt? Viele Apotheken ziehen eine gemischte Bilanz, manche wollen auf keinen Fall zurück zu gesplitteten Teams, andere ziehen es als letzten Ausweg in Betracht.

„Am Anfang ging es, weil wenig los war“, sagt Lars Peter Wall. Der Inhaber dreier Apotheken in Neumünster hatte im Frühjahr im Schichtdienst gearbeitet und zieht eine gemischte Bilanz. „Wir haben das sechs Wochen lang gemacht, aber dann wurde es zu kompliziert. Mit Kurzarbeit, den Dienstplänen und so weiter wurde das wirklich ein Riesenaufwand.“ Notwendig war es auch deshalb, weil gerade zu Beginn absolute Unsicherheit bezüglich der Regelungen gab: Ab wann muss das ganze Team in Quarantäne? Also wendete er sich an sein Gesundheitsamt, fragte aktiv nach und erklärte seine Infektionsschutzmaßnahmen. „Die haben gesagt, dass das sehr gut klingt und dass deshalb bei einem Fall in einer meiner Apotheken wahrscheinlich nicht das ganze Team in Quarantäne müsste.“

Denn Wall hat sich in der Zwischenzeit noch weiter um die Sicherheit von Kunden und Mitarbeitern bemüht: Neben Plexiglas herrscht Maskenpflicht in der ganzen Apotheke – OP-Masken hinter dem Plexiglas und im Backoffice, FFP2 bei jedem Kundenkontakt. Außerdem hat er pro Apotheke zwei Luftumwälzer bestellt, die er überall dort aufstellen will, wo nicht optimal gelüftet werden kann – Kostenpunkt: 10.000 Euro. „Aber das ist mir mein Team wert“, sagt er.

Im Moment habe er die Situation im Blick, Grund zur Panik gebe es aber nicht. „Wir haben hier in der Gegend noch relativ niedrige Infektionszahlen“, erklärt er. Sollte es schlimmer werden, plane er, von jeder Apotheke ein paar Mitarbeiter nach Hause zu schicken, um sozusagen ein Notteam vorzuhalten, dass einspringen kann, falls eine Apotheke geschlossen werden müsse. „Ich rechne aber im Moment nicht damit, dass das Gesundheitsamt bei mir ein ganzes Team in Quarantäne schicken würde.“ Den Schichtbetrieb wieder einzuführen, wolle er vermeiden; sollte sich die Situation aber bedeutend zuspitzen, käme auch das wieder in Frage.

Dass sich das zwischenzeitlich eingeführte Zweischichtsystem nicht so gut bewährt hat, sagt auch Inhaber Norbert Veicht. „Wir haben das schon nach drei oder vier Wochen wieder sein lassen“, so der Inhaber der Antonius-Apotheke in Massing. „Es kam einfach bei der Übergabe zu oft zu unglücklichen Missverständnissen, die dann das Arbeitsklima belastet haben.“ Seine Lösung war deshalb die komplette Maskenpflicht und ein striktes Lüftungsregime: „Wir haben einen Wecker in der Offizin, der einmal die Stunde klingelt, dann lüften wir komplett durch. Das ist aber jetzt schon teilweise sehr unangenehm, ich weiß nicht, wie das im Winter wird.“

Auch Wall berichtet von „gewissen Reibungen. Die seien bei ihm jedoch nicht stark ins Gewicht gefallen. „Alles in allem hat die Zusammenarbeit hervorragend geklappt, auch wenn die Kommunikation natürlich nicht einfacher ist, wenn man sich nicht mehr sieht. Da haben sich ganz neue Gruppen gebildet, die vorher nicht da waren.“

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