Medikationsplan unzureichend

PharmDL: Chancen für die Medikationsanlayse

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Berlin -

Bislang fehlen genau definierte pharmazeutische Dienstleistungen (PharmDL), die gesondert vergütet werden sollen. Bei einem Symposium der Bundesapothekerkammer (BAK) wurde deutlich, dass die Medikationsanalyse dazugehören soll. Zahlreiche Bürger:innen über 60 Jahre nehmen mehr als fünf verschiedene Präparate ein. Das Nebenwirkungs- und Interaktionspotential ist groß. Medikationspläne würden die Probleme nur bedingt eindämmen – zu oft seien die Pläne nicht vollständig oder aktuell.

Die Medikationsanalyse seitens der Apotheker:innen soll als pharmazeutische Dienstleistung verstetigt werden. Die Bedeutung des Nebenwirkungs- und Interaktionscheck habe großes Potential und könne viele Arztbesuche und sogar Krankenhauseinweisungen vermeiden, erläutert Nina Griese-Mammen, Abteilungsleiterin Wissenschaftliche Evaluation im Abda-Geschäftsbereich Arzneimittel, im Rahmen des BAK-Symposiums.

Erschreckend sei, dass die Anwendung des bundeseinheitlichen Medikationsplanes nur sehr lückenhaft erfolgt. So berichtet Griese-Mammen von einer Untersuchung mit stichprobenartiger Befragung von 288 Patient:innen, betreut in 22 Apotheken. Hier sei im Ergebnis kein einziger Medikationsplan aktuell gewesen. Bei rund einem Drittel der Pläne waren falsche Dosierungen eingetragen. In 10 Prozent der Fälle fehlten die Dosierungen. 24 Prozent der Medikationspläne enthielten bereits abgesetzte Medikamente und in 42 Prozent der Fälle fehlten aktuell einzunehmende Präparate.

Ungeeignete Arzneimittel

Der Bedarf an aktuellen und leicht verständlichen Medikationsplänen ist groß und wird aufgrund des demographischen Wandels auch weiter wachsen. So nehmen bereits jetzt 7,6 Millionen Bürger:innen ab 65 Jahren fünf oder mehr Präparate täglich ein. Mit jedem Präparat erhöht sich die Gefahr von Wechsel- und Nebenwirkungen und natürlich auch das Risiko der falschen Einnahme. Bei den über 75-Jährigen, so Griese-Mammen, sind es bei 33 Prozent der Bürger:innen sogar acht oder mehr verordnete Arzneimittel täglich. Was sie besonders stört: Rund ein Fünftel der Betroffenen nimmt für die Altersgruppe ungeeignete Arzneimittel ein. Apotheker:innen und PTA könnten mit Literatur wie der Priscus-Liste auch solche Probleme innerhalb der Medikationsanalyse aufdecken.

Neben dem steigenden Risiko für Nebenwirkungen kommt es bei multimorbiden Patient:innen mit steigender Anzahl der einzunehmenden Präparate auch zu einem erhöhten Sturz- und Hospitalisierungsrisiko. Griese-Mammen geht davon aus, dass mindestens 10 Prozent aller Krankenhauseinweisungen in der Altersgruppe ab 65 Jahre aufgrund von Neben- und Wechselwirkungen erfolgt. Zudem zeigen Personen, die fünf oder mehr Arzneistoffe pro Tag einnehmen müssen, eine mangelnde Therapietreue.

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