Nicht mal geschenkt: Apotheke findet keinen Apotheker

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Berlin -

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, sagt der Volksmund. Diese Lebensweisheit gilt für Apotheken aber nicht immer. Denn Apothekerin Heike Kouril-Arlt sucht immer noch einen Nachfolger für die Apotheke St. Ulrich im baden-württembergischen Sulzbach, die sie verschenken will. Drei Interessenten meldeten sich bei ihr, aufmerksam geworden durch den Bericht von APOTHEKE ADHOC. Alle zeigten sich interessiert, doch sagten schließlich ab. Aufgeben will Kouril-Arlt aber noch nicht und einen weiteren Anlauf starten.

Im Juli 2013 übernahm Kouril-Arlt mit der St. Ulrich Apotheke ihre erste Apotheke. Auf Facebook und Xing sucht Kouril-Arlt seit Oktober einen Nachfolger für die Filialleitung. Die Apotheke ist seit dem 4. Oktober geschlossen. Der Arbeitsvertrag mit dem damaligen Filialleiter platzte. Bis auf Weiteres bleibt sie auf den laufenden Kosten sitzen.

„Drei Interessenten haben sich bei mir gemeldet und Besichtigungen vorgenommen“, erzählt Kouril-Arlt. Eine Apothekerin habe zwar „alles ganz toll“ gefunden. Sie könne ihr aber erst im Oktober Bescheid geben, ob sie die Apotheke tatsächlich übernehmen werde. Zurzeit sei sie bei der Arbeitsagentur arbeitslos gemeldet. Kouril-Arlt wundert sich über die Begründung der Absage. Dann meldete sich ein Apothekerehepaar aus der Umgebung von Sulzbach. Auch das schien zu passen und daher hoffnungsvoll. Doch nach einer Bedenkzeit folgte die zweite Absage. Das Risiko war der Apothekerin schließlich doch zu groß – nicht wegen der Wirtschaftsdaten, sondern wegen der Sorge um das Personal, dass sie hätte suchen und finden müssen. Auch ein Apothekerehepaar aus Köln hatte sich gemeldet und schließlich abgesagt.

Jetzt will Kouril-Arlt einen weiteren Versuch starten und eine Anzeige aufgeben. „Es ist gar nicht so leicht, eine Apotheke zu verschenken“, so die Apothekerin, die einen bald einjährigen Leidensweg hinter sich hat: „Zum 1. September 2019 hatte ich einen Filialleiter engagiert“, erzählt Kouril-Arlt, „doch der ist einfach nicht gekommen.“ Seitdem habe sie ein „riesiges Theater“. Sogar eine nette Wohnung habe sie für ihn gesucht und gefunden: „Er hätte nur kurze Zeit vorübergehend in einer Pension wohnen müssen“, so die Apothekerin. Aber er sagte ab, kam einfach nicht, obwohl der Arbeitsvertrag unterschrieben war.

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