Familienbetrieb: Erst OHG überzeugt Apothekerin

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Berlin -

Sieben Jahre hat Charlotte Erpenbeck nach einer angestellten Approbierten oder einem Approbierten gesucht. Als sie Tanja Kramer für ihr Team der Alten Sonnen-Apotheke in Haselünne im Emsland gewinnen konnte, war nicht nur ein Personalproblem gelöst – auch die Zukunft des Familienbetriebs war entschieden.

Die Anstellung von Kramer im Jahr 2006 war für Erpenbeck ein Glücksfall. Denn sie konnte nicht nur endlich Nacht- und Notdienste auf mehrere Schultern verteilen. Die Apothekerin fand auch mehr Zeit für private Angelegenheiten. Dieser Umstand animierte ihre Tochter Ruth Kaumanns, ein Pharmaziestudium zu beginnen. „Für mich war nicht von vorneherein klar, dass ich Apothekerin werden werde“, sagt die 31-Jährige heute.

Work-Life-Balance und Apotheke

Sich in das sogenannte „gemachte Netz“ zu setzen, kam für sie zunächst nicht in Frage: „Ich habe oft bei meiner Mutter gesehen, wie schwer es ist, die Apotheke zu führen, weil sie keine Vertretung gefunden hat.“ Als die Suche nach einer Apotheker:in 2006 erfolgreich war und diese 2016 sogar in eine geschäftliche Partnerschaft in Form einer Offenen Handelsgesellschaft (OHG) geführt hat, änderte sich Kaumanns Einstellung. „Für mich muss der Job Spaß machen, und ich muss etwas vom Leben haben und nicht nur für den Job leben.“

Eine Apotheke sei als OHG besser „machbar“, sagt Kaumanns, die zum Jahreswechsel die Anteile ihrer Mutter übernahm, weil diese in den Ruhestand gegangen ist. „Man kann sich die Aufgaben gut teilen.“ Als klar gewesen sei, dass Kramer in dem Familienbetrieb bleiben werde, entschied sie sich ebenfalls für die Apotheke. „Mein Opa hat mit Herzblut in der Apotheke gearbeitet und auch meine Oma war Pharmazeutin. Ich wurde aber nie unter Druck gesetzt.“ Mit Kaumanns steigt die siebte Generation in den Betrieb ein. Die Familie Erpenbeck sei glücklich, dass die Apotheke nun in der nächsten Generation weiter geführt wird, verkündet die Apotheke. Auch das Team freue sich und blicke mit viel Motivation auf das neue Jahr. Die Apotheke lässt sich seit Mitte des 17. Jahrhunderts nachweisen. In diesem Jahr wird das 275. Bestehen gefeiert.

OHG-Partnerin betont Vorteile

Auch Kramer freut sich, dass sie eine junge Apothekerin an ihrer Seite hat. Sich ganz selbstständig zu machen, kam für die Pharmazeutin nicht in Frage. „Aufgrund meiner familiären Situation ist eine eigene Apotheke kein Thema.“ Zudem profitiere sie von der Erfahrung der Partnerin und müsse sich nicht alleine um den Betrieb und die elf Mitarbeiter:innen kümmern.

Die beiden Frauen haben für dieses Jahr viel vor. Die Apotheke soll umgebaut und die Offizin vergrößert werden. Ein weiteres großes Ziel für 2022 sei der Einbau eines Kommissionierautomaten. „Die Apotheke läuft gut.“ In der niedersächsischen Stadt gebe es noch zwei weitere Apotheken, mit denen eine gute Beziehung gepflegt werde. „Wir können hier alle gut nebeneinander arbeiten.“

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