Rezeptfälschung

Lange Haftstrafen für Apotheker-Bande

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Auch die erste Sitzung des abgetrennten Prozesses gegen ihn musste kurz nach Beginn abgebrochen werden: Beim Verlesen der Anklage brach S. zusammen und wurde mit Verdacht auf einen Herzinfarkt ins Krankenhaus gebracht. Der Psychiaterin zufolge hält er maximal zwei Verhandlungstage pro Woche mit einer Dauer von höchstens drei Stunden durch. Die Urteile der anderen Angeklagten sind noch nicht rechtskräftig: Die Anwälte von vier Tätern haben Revision eingelegt, bei Rainer S. will die Staatsanwaltschaft in die nächste Instanz, weil sie mit der Berechnung des sogenannten Wertersatzes nicht einverstanden ist. In den nächsten Monaten wird sich deshalb auch der Bundesgerichtshof mit dem Fall befassen müssen.

Die Bande um den Apotheker Klaus H. steht seit Februar wegen banden- und gewerbsmäßiger Urkundenfälschung und Betrug in 125 Fällen vor Gericht. Hinzu kommt noch versuchter Raub in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Nachdem der Angeklagte Edin S. versucht haben soll, Klaus H. und Galya S. zu erpressen, hatte letztere zwei tschetschenische Schläger engagiert, die Edin S. die Beine brechen sollten. Er bekam Wind von der Sache und tauchte unter.

Klaus H. hatte in Berlin zeitweise mehrere Apotheken betrieben, musste die letzte jedoch 2010 schließen. Die Entscheidung, Geld mit gefälschten Rezepten für hochpreisige Rx-Medikamente zu machen, fällte er nach eigenen Angaben aufgrund seiner schweren wirtschaftlichen Lage. 15.000 Euro war der Durchschnittswert der Rezepte, die Edin S. von einem bisher unbekannten Mittäter hat fälschen lassen – mit Daten, die er einem Apothekenmitarbeiter in Berlin-Mariendorf abgekauft hatte.

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