Kosten der FFP2-Verteilung: 70 Euro pro Person

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Berlin - Die Abgabe kostenloser FFP2-Masken über die Apotheken kostet den Bund rund 2,5 Milliarden Euro – rund 70 Euro pro bezugsberechtigter Person. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor, die APOTHEKE ADHOC vorab vorliegt. Darin erklärt das Bundesgesundheitsministerium (BMG) auch seine Beweggründe für die Honorarkürzung in der laufenden Abgabe: Durch die Ausweitung der Maskenpflicht seien „der zu erzielende Gewinn für die Apotheken“ weiter gestiegen und das wirtschaftliche Risiko der Aktion damit gefallen.

70 Euro für 15 Masken: Wer Pech hatte, hat das zu Beginn der Pandemie gezahlt. Auf dem Höhepunkt der zweiten Welle hatte aber eher der Steuerzahler Pech, findet zumindest FDP-Gesundheitspolitiker Dr. Wieland Schinnenburg: „Eine wirtschaftliche und bürokratische Katastrophe wie bei der Schutzmaskenverteilung darf sich nicht wiederholen“, fordert er. Federführend für seine Fraktion hatte er die Bundesregierung über die Kosten und die organisatorische Durchführung der FFP2-Verteilaktion ab Dezember zur Rede gestellt und zeigt sich entrüstet über die Ergebnisse: „Es ist richtig, vulnerable Gruppen zum Corona-Schutz mit Masken zu versorgen. Gesundheitsminister Spahn hat aber ein viel zu bürokratisches und teures Verfahren gewählt.“

35,3 Millionen Berechtigungsscheine hatte die Bundesregierung bei der Bundesdruckerei anfertigen lassen – aus Gründen des „kurzfristigen Handlungsbedarfs“ ohne vorherige Ausschreibung. Die hätte nämlich nach Regierungsangaben noch einmal mindestens fünf weitere Wochen in Anspruch genommen. 9,6 Millionen Euro kostete der Druck, weitere 360.000 Euro der Versand an die Kassen. Die wiederum erhielten pro versendetem Brief einen Verwaltungskostenersatz in Höhe von 60 Cent. Warum so eine groß angelegte Aktion auf dem antiquierten Weg des Papierversands und der Archivierung der Scheine in den Apotheken geschieht, ist leicht erklärt: Deutschland fehlt die digitale Infrastruktur, so etwas mit ein paar Klicks online zu machen.“ Ein vergleichbar wirksamer Schutz gegen Missbrauch wäre mit einem Verfahren, das sich auf die Online-Übermittlung von Ausweisdaten beschränkt, nicht zu erreichen gewesen“, so das BMG.

Statt der Scheine direkt die Masken zu versenden, wäre laut BMG jedoch nicht möglich gewesen, weil mit deren millionenfacher Abgabe insbesondere bei Beschaffung, Qualitätsprüfung und Beratung der Anspruchsberechtigten erhebliche Anforderungen verbunden seien – und das könnten demnach nur die Apotheken gewährleisten. „Die Apothekerschaft verfügt neben den dafür erforderlichen Selbstverwaltungs- und Distributionsstrukturen auch über die notwendigen Beschaffungswege. Dies ist bei Paketdiensten nicht der Fall“, so das BMG. Immerhin konnte Spahns Haus dann durch die Senkung des Honorars noch einmal mehrere hundert Millionen Euro einsparen.

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