Kritik an PCR-Testgerät

Im laufenden Betrieb: Apotheken-Testzentrum geschlossen

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Berlin -

Testzentren sind gefragter denn je. In vielen Apotheken steht das Telefon nicht mehr still, weil Kund:innen ein Testzertifikat benötigen. Angela Müller-Rebstein muss ihre Kundschaft allerdings vertrösten. Denn ihr Testzentrum wurde kurzfristig und ohne Ankündigung von der Aufsichtsbehörde geschlossen. Die Inhaberin der Landgraf-Karl-Apotheke in Kassel ist entsetzt und lässt den Vorgang aktuell rechtlich prüfen.

Seit März bietet Müller-Rebstein in einem rund 90 Quadratmeter großen Testzentrum Antigen-Schnelltests an. Vor einer Woche wurden die Räume vom Gesundheitsamt und dem Regierungspräsidium Kassel kontrolliert. „Grundsätzlich unterstützen wir als Apotheke jegliche sicherheits- sowie qualitätssichernden- und steigernden Maßnahmen“, sagt die Apothekerin. „Darin haben wir bereits Routine und unterstützen die Aufsichtsbehörden bestmöglich.“ Die Begehung habe jedoch einen „anderen Charakter“ gehabt.

Die Angestellten seien „stark unter Druck“ gesetzt worden, kritisiert Müller-Rebstein. Die Aufsicht habe beispielsweise nicht auf Abstandsregeln oder Händedesinfektion geachtet. „Die Kontrolleure standen zum Beispiel ungefragt mit in den Testkabinen, haben Fotos gemacht und Auskünfte über den Impfstatus unserer Mitarbeiter eingeholt.“ In allen Testzentren werde nach einem klar beschriebenen Qualitätskonzept gearbeitet, welches bereits mehrfach ohne größere Mängel begutachtet worden sei. Zudem seien die Mitarbeiter:innen geschult.

PCR-Testgerät kritisiert

Besonders die Verwendung des neuen PCR-Testgeräts habe für Kritik gesorgt. Die Kontrolleure hätten gesagt, dass PCR-Tests nur durch ärztliches Personal durchgeführt werden dürften, so die Apothekerin. Das Testzentrum sei „während des laufenden Betriebs ohne weitere Anhörung auf mündliche Anweisung hin geschlossen“ worden. Vor der Tür hätten noch viele Kund:innen mit Termin gewartet. „Wir lassen den Vorgang aktuell in rechtlicher Hinsicht prüfen“, sagt sie.

Die Apothekerin vermutet, dass die Anschaffung des PCR-Testgeräts etwas mit der Schließung zu tun hat. Die Entscheidung korreliere zeitlich exakt mit dem Einsatz des Test-Gerätes „ID now“ der Firma Abbott. „Wir gehen davon aus, dass die hiesigen Aufsichtsbehörden das verwendete Gerät noch nicht als In-Vitro Schnelltest für den Gebrauch am Point of Care kennen und somit in Teilen abweichende Qualitätsstandards der Bundesärztekammer durchsetzen wollen“, sagt sie.

Das verwendete Testgerät werde aber bereits in vielen vergleichbaren Testzentren und Apotheken deutschlandweit verwendet und sei als In-Vitro-Schnelltest zugelassen. „Der Konflikt zwischen diesen Kompetenzen hat dann an verschiedenen Stellen offenbar zu unzutreffenden oder übersteigerten Feststellungen und einem Behördenverhalten geführt, dessen Verhältnismäßigkeit nun geprüft wird.“

Stadt verweist auf mehrere Mängel

Bei der Stadtverwaltung will man keine konkreten Gründe nennen. Mängel seien „in mehreren Bereichen“ festgestellt und protokolliert worden, sagt ein Sprecher. „Das Testcenter kann wieder öffnen, sobald die festgestellten Mängel beseitigt wurden.“

Das Protokoll und die darin enthaltenen Begründungen seien nicht stichhaltig, moniert Müller-Rebstein. „Kleinere Mängel wie zum Beispiel ein fehlender Pump-Sprüher auf einer Desinfektionsflasche sind in Bezug auf eine sofortige, mündlich verfügte Schließung vollkommen unverhältnismäßig.“ Gerade in der Vorweihnachtszeit, dem aktuell rapiden Anstieg der Infektionszahlen und mit der Einführung des neuen Infektionsschutzgesetzes mit der 3G- Regelung seien die wenigen verbleibenden Testkapazitäten zur Eindämmung der Pandemie sehr wertvoll. Vor allem wenn es sich um PCR-Tests handele.

Das Testzentrum sei zudem im Vergleich zu Mitbewerbern nicht geschlossen worden, als die Nachfrage rückläufig war. Mit der behördlichen Anordnung sei jetzt das letzte verbliebene Testzentrum in Kasseler Stadtteil Bad Wilhelmshöhe zu und es entstehe ein massiver Versorgungsengpass, sagt sie. „Letztendlich hat das Gesundheitsamt damit einen Pfeiler der Pandemieeindämmung in Kassel aufgrund unverhältnismäßiger Annahmen geschlossen.“ Müller-Rebstein renoviert aktuell die Räume und lässt das Hygienekonzept von unabhängigen Experten prüfen. Die Apothekerin will an ihrem Testangebot festhalten.

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