„Ich möchte nicht nochmal an den Rand des wirtschaftlichen Überlebens gedrängt werden“

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Berlin -

3G am Arbeitsplatz hat einen neuen Ansturm auf die Testzentren ausgelöst. Teilweise müssen die Kapazitäten erst wieder hochgefahren oder überhaupt aufgebaut werden, zudem fehlt vielerorts Ware. Apotheker Wolfram Schmidt aus Northeim hätte einem größeren Unternehmen vor Ort gern mehr geholfen, findet die aktuelle Gemengelage aber zu unübersichtlich für eine so große Investition.

Schmidt betreibt im niedersächsischen Northeim die Mühlen-Apotheke sowie die Apotheke am Wieter, unter dem Namen Aponom gibt es außerdem ein größeres Hilfsmittel- und Impfstoffgeschäft. Aktuell bietet er bei den Apotheken auch Teststationen an, außerdem fährt ein Testmobil zu knapp zehn Firmen in der Region, damit sich die Mitarbeiter:innen testen können.

Doch jüngst erreichte den Apotheker eine Anfrage des Reifenherstellers Continental. Der „Conti“ ist mit rund 1700 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Northeim. Wegen der Produktion im Schichtbetrieb müsste das mobile Testzentrum im Industriegebiet auch an den Wochenenden durchgehend einsatzfähig sein.

Schmidt wollte das gerne ermöglichen. Die größte Hürde – das benötigte Personal – hätte er sogar nehmen können: Vom Deutschen Roten Kreuzes (DRK) hatte er schon eine Zusage. Doch allein für die Personalkosten wäre ein mittlerer fünfstelliger Betrag im Monat fällig gewesen. Zuzüglich der Ausgaben für die Tests sowie Raum- und EDV-Kosten hatte Schmidt mit 60.000 Euro monatlichem Vorschuss kalkuliert – und das sei konservativ gerechnet.

Zu großes Risiko für Apotheker

Doch letztlich musste er Continental absagen: Nach vielen Gesprächen und intensiven Recherchen zur Rechtslage habe er nirgends eine Zusage erhalten, dass die Bürgertests hier in dem gewünschten Umfang zum Tragen kommen und abgerechnet werden könnten. „Ohne sichere Abrechnungsmöglichkeit ist mir das Risiko dafür zu groß“, schrieb der Apotheker. Denn ein Scheitern der Abrechnung wäre vermutlich erst nach Monaten festzustellen – wenn die Apotheke schon eine sechsstellige Summe investiert hätte. Das würde zu viele Arbeitsplätze in seinem Unternehmen, wenn nicht den ganzen Betrieb selbst gefährden, insofern bitte er um Verständnis für die Absage.

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