„Um dieses Risiko einzugehen, ist das Testen nicht lukrativ genug“

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Berlin -

Das Leben als Ungeimpfter ist in den vergangenen Tagen tatsächlich unangenehmer geworden. Seit am Arbeitsplatz die 3G-Regel herrscht, bilden sich teils lange Schlangen vor den Testzentren. Hinzu kommen in vielen Bundesländern Beschränkungen im Freizeitbereich auch für Geimpfte und Genesene, die zusätzlich zu ihrem Impfzertifikat einen negativen Test brauchen. Die langen Schlangen waren aber nicht unausweichlich: Erst im Oktober waren zahlreiche Teststellen geschlossen worden, nun müssen sie vielerorts wieder hochgefahren werden. Die Probleme ähneln denen bei den Impfzentren: Das Personal, das gerade erst weggeschickt wurde, muss nun wieder akquiriert werden. Und dann sind da noch die Tests selbst: Apotheker Boris Osmann hatte das letzte seiner vier Testzentren nur offengehalten, um die großen Restbestände wegzutesten. Nun kommt er kaum hinterher und muss er händeringend nach genügend Tests suchen.

Die Entscheidungsträger in der Politik haben der Pandemiebekämpfung einen Bärendienst erwiesen: Das Hin und Her bei den Regeln zu Corona-Schnelltests erschweren die Arbeit momentan vielerorts. Was vor wenigen Wochen noch vernünftige Planung war, lässt nun die Schlangen vor den Testzentren wachsen. „Wenn wir morgens aufmachen, stehen in der Regel schon 20 Leute vor der Tür. Die absolute Masse der Getesteten sind Ungeimpfte, die die Tests für die Arbeit brauchen. Und die finden das nicht lustig“, berichtet Osmann aus seiner Maxxipham-Apotheke in Magdeburg.

Denn die Wartezeiten seien eine Herausforderung. „Montag und Dienstag ging es schon auf die zwei Stunden zu. Da gibt es dann auch eine Menge Unmut, wenn sie lange warten müssen und deshalb zum Beispiel ihre Bahn verpassen. Immerhin können sie auch in ihrem Frust noch trennen, dass es sich um eine politische Maßnahme handelt und nicht unsere Schuld ist.“

Dass diese Situation so entstanden ist, sei hingegen kein Wunder. „Unsere Auslastung hat sich in kürzester Zeit fast verzehnfacht. Wir hatten aber auch zuvor recht wenig zu tun“, sagt er. Gerade weil er zuvor weniger zu tun hatte, habe er auch seine Terminsoftware abgeschaltet. „Wenn man am Tag nur 30 Leute testet, braucht man das nicht. Da ist es einfacher, wenn man einfach kommt und den Test macht.“ Nun, da die Zahl bei rund 250 Getesteten am Tag liegt, wäre eine Terminsoftware wieder äußerst nützlich – doch Osmann muss sie erst neu wieder einrichten, was wohl noch bis Ende der Woche dauern wird.

„Es war klar, dass die Testzentren das nicht schaffen“, sagt er. „Es ist ja ein viel höheres Testaufkommen als wir bisher in der Spitze bewältigen mussten. Bisher waren es ja fast ausschließlich symptomfreie Menschen, die sichergehen wollten. Nun sind es alle Ungeimpften.“ Die sprunghaft gestiegene Nachfrage trifft dabei auf ein zuletzt stark geschrumpftes Angebot. Das gilt im Allgemeinen wie auch im Speziellen: So gehörte Osmann mit vier eigenen Teststellen zu den größten Anbietern in Magdeburg, hat jedoch drei seiner vier Testzentren bereits wieder geschlossen: eine externe Teststelle und das Testangebot in seiner Stern-Apotheke bereits im Spätsommer, als die Zahlen auf ein Minimum gefallen waren, die zweite externe Teststelle, als im Oktober die kostenlosen Bürgertests abgeschafft wurden. Das Testangebot in der Maxxipharm Apotheke blieb – vorerst aber nur, weil Osmann noch so viele Tests am Lager hatte und die vor der Schließung noch verbrauchen wollte.

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