ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

Hier legt ein Fax die Apotheke lahm APOTHEKE ADHOC, 18.08.2018 07:21 Uhr

Berlin - Das Fax gehört zur Apotheke wie der HV-Tisch, die Rezeptur oder der verblasste Geruch nach Baldrian aus vergangenen Zeiten. Aber jetzt kommt‘s: IT-Experten haben gezeigt, dass man über das Lieblingsgerät vieler Pharmazeuten ganze Betriebe lahm legen kann. In Hamburg musste eine Apotheke wegen der Cyberattacke aus dem Papierschacht schon klein beigeben.

Es fing ganz harmlos an. Erst piepste das Fax, dann schnurrte es sanft, dann druckte es die erste Seite aus. Als nach zehn weiteren immer noch nicht Schluss war, rollte die PKA auf ihrem Stuhl zum Schreibtisch hinüber. Heute schien das Heim gleich mehrere Ärzte zu Besuch haben. Aber dann entdeckte sie auf dem Papier anstelle von gescannten Rezepten lauter unbekannte Schriftzeichen. Komisch, musste sich irgendjemand aus dem Ausland verwählt haben. Die Zettel warf sie in den Papierkorb.

Mittags kam endlich der Techniker, das Team war da schon der Verzweiflung nahe. Das Fax lief seit Stunden, wie wahnsinnig druckte das Gerät, immer schneller spuckte es sinnlos bekritzelte Seiten aus. Stoppen ließ es sich nicht. Mehrere Waschkörbe hatten die Mitarbeiter schon zur Mülltonne gebracht, aber nun war kein Durchkommen mehr. Das ganze Backoffice war mittlerweile mit Papier vollgestopft, keiner kam mehr von vorne nach hinten und umgekehrt. Gegen 14 Uhr wurde die Offizin geräumt, denn mittlerweile stapelten sich Papiertürme auch vor und hinter dem HV-Tisch.

Auf der ersten Seite, die das Team nach langem Suchen an der Eingangstür entdeckte, stand in großen Buchstaben: V-A-L-S-A-R-T-A-N. Scharfsinnig schlussfolgerte die herbeigerufene Polizei, dass es sich doch nicht um einen Bedienfehler der seit Stunden völlig aufgelösten PKA handelte. Nein, das hier war etwas anderes, nämlich eine Cyberattacke. Die Rache aus Fernost für den kruden Umgang der Europäer mit den heimischen Wirkstoffherstellern.

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