Apotheker-Treibstoff

Ein Schnäpschen auf Gertrüdchen Silvia Meixner, 16.03.2018 13:50 Uhr

Berlin - Drei Tage im Jahr darf Apotheker Sven Simons aus Neuenrade im Sauerland selbst gemachten Schnaps verkaufen. Ohne den „Buba Bitter“ wäre die beliebte Kirmes „Gertrüdchen“, die in diesem Jahr zum 663. Mal stattfindet, nämlich undenkbar. Das Rezept unterliegt der obersten Geheimhaltungsstufe. Nur so viel wird verraten: Der Kirmes-Treibstoff hat 32 Prozent Alkoholgehalt.

Simons ist mit Leidenschaft Apotheker, mit derselben Begeisterung erzählt er vom „Gertrüdchen“, einem der ältesten Volksfeste Deutschlands. Es ist der Heiligen Gertrud gewidmet und startete dereinst als Viehmarkt. Seit 1835 hat die 1782 gegründete Apotheke die Lizenz zum Schnapsausschank. „Damals wurde der Schnaps zum ersten Mal erwähnt“, erzählt Simons.

Vor einigen Jahren bekam er den Namen „Buba Bitter“ und das kam so: Die Vorgänger Simons‘ in der Gertruden-Apotheke, die Familie Buntenbach, hat vier Söhne, die zu Hause und von Freunden Buba 1, Buba 2 und so fort genannt wurden. Daraus entstand, vermutlich in Schnapslaune, der Buba Bitter.

Als Apothekerin Alexandra Simons 2008 die Gertruden-Apotheke übernahm, stand fest, dass auch die Buba Bitter-Tradition fortgeführt werden muss. Für viele Neuenradener und ihre Gäste wäre ein Gertrüdchen ohne die Fläschchen der Apotheker nämlich keine richtige Kirmes. Der erste Apotheker, der zur Kirmes Schnaps braute, war Johann Adolf Hempel, der am 12. November 1782 von seiner Majestät, König Friedrich II von Preußen, das Privileg zum Betreiben einer Apotheke erhielt. In der Zeit, in der Napoleon die preußischen Lande besetzte, brannte er den beliebten Schnaps, der Kirmes-Besucher fröhlich stimmte. Überliefert ist diese Beobachtung: „Nach jedem Schluck schüttelten sich die Fremdlinge und verließen schließlich schwankend das Haus. Aber schon am nächsten Tag waren sie wieder da und verlangten erneut den guten Tropfen.“

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