„Das Testen wird sich verlagern“ | APOTHEKE ADHOC
PCR-Pflicht in Baden-Württemberg

„Das Testen wird sich verlagern“

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Berlin -

Die Infektionszahlen steigen und die Schutzmaßnahmen werden wieder strenger. Mehrere Bundesländer planen schärfere Regeln. In Baden-Württemberg gilt jetzt die „Warnstufe“, Ungeimpfte müssen seit gestern einen PCR-Test vorweisen, wenn sie beispielsweise zum Friseur wollen. In den Testzentren im Landkreis Böblingen führte dies am ersten Tag zu sinkenden Zahlen. „Da die Ergebnisse der PCR-Tests 48 Stunden gültig sind, erwarten wir am Wochenende mehr“, sagt Apotheker Dr. Björn Schittenhelm.

Wer in Baden-Württemberg in ein Restaurant oder ins Kino will oder eine andere Veranstaltung im Innenbereich wie etwa Hallenfußball besuchen will, muss gegen Covid-19 geimpft, genesen oder getestet sein. Ein Antigen-Schnelltest reicht aber nicht mehr aus. Hintergrund ist, dass am Dienstag auf den Intensivstationen im Land den zweiten Werktag in Folge mehr als 250 Covid-19-Patient:innen behandelt wurden.

„Die erste kritische Marke ist erreicht, die Lage in den Krankenhäusern angespannt“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne). „Wir erleben derzeit eine Pandemie der Ungeimpften.“ Auf den Intensivstationen lägen fast ausnahmslos nicht-geimpfte Patient:innen mit einem schweren Verlauf. „Es ist deshalb klar, dass wir mit den Einschränkungen bei den Nicht-Geimpften ansetzen müssen. Sie sind Treiber der Pandemie und sorgen für die Belastung des Gesundheitssystems.“

In den fünf großen Testzentren des „Böblinger Modells“, das von Schittenhelm initiiert wurde, wurde auf die Anpassungen schnell reagiert: „Wir haben uns vorbereitet, der Beschluss für die Warn- oder Alarmstufe lag im August schon vor“, sagt der Inhaber der Alamannen Apotheke in Holzgerlingen. Jede Teststelle verfüge über ein bis zwei PCR-Testgeräte und könne innerhalb von zehn Minuten ein Ergebnis liefern. „Gestern hatten wir zehn PCR-Tests“, sagt der Apotheker. Zuvor seien es zwischen 50 und 100 bezahlte Antigen-Schnelltests gewesen.

Die rückläufige Nachfrage hängt Schittenhelm zufolge auch mit den höheren Kosten zusammen. Während für einen Antigen-Schnelltest 15 Euro anfallen, müssen Kund:innen für einen PCR-Test 49 Euro bezahlen. „Das Testen wird sich verlagern“, sagt er. Friseur- und Kinobesuche würden in das 48-Stundenzeitfenster gelegt, in dem das negative Ergebnis gültig sei. Bei Antigentests gilt das Ergebnis nur maximal für 24 Stunden als Nachweis. „Am Freitagmittag wird es voller, da werden wegen des Wochenendes mehr kommen.“ Für Samstag gebe es schon rund 40 Buchungen für PCR-Tests.

Ausgenommen von der PCR-Testpflicht sind Personen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, Schwangere oder Personen bis einschließlich 17 Jahre, die nicht mehr zur Schule gehen. Sie müssen einen negativen Antigen-Schnelltest vorlegen, dessen Kosten vom Bund übernommen werden.

Schlange stehen für Impfung

Schittenhelm kritisiert die fehlende Impfbereitschaft in Deutschland. In anderen europäischen Ländern wie etwa Spanien verhielten sich die Menschen dagegen vorbildlich. „Die Pandemie ist nicht vorbei“, warnt er. Die Zahl täglich gemeldeter Neuinfektionen in
Deutschland erreichte aktuell einen Höchststand.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 33.949 Corona-Neuinfektionen und damit 172 mehr als am 18. Dezember 2020. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz lag demnach bei 154,5.

Die Apotheken sieht Schittenhelm deshalb weiter in der Pflicht: Im Rahmen des „Böblinger Modells“ sei zwar die Zahl der Teststellen wegen der gesunkenen Nachfrage von 80 auf aktuell fünf große Zentren reduziert worden. „Aber wir stehen zu unserem Versprechen. Wir stehen auch in der 4. Welle bereit.“

Knapp zehn Mitarbeiter:innen sind momentan noch in den Testzentren angestellt – in Höchstzeiten waren es 80. Um die Impfquote zu erhöhen, bietet der Apotheker in den Teststellen an zwei Tagen in der Woche auch Covid-19-Impfungen an. „Momentan werden wir überrannt“, sagt er. „Gestern standen die Leute drei Stunden Schlange.“ Pro Wochen würden aktuell rund 1000 Menschen immunisiert. „Das wird gerade immer mehr“, freut sich Schittenhelm. Deshalb solle das Angebot auch mit Blick auf die Booster-Impfungen ausgeweitet werden.

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