Citalopram: Weiteres Medikament knapp | APOTHEKE ADHOC
„Es frisst sich regelrecht durch die Wirkstoffe durch“

Citalopram: Weiteres Medikament knapp

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Berlin -

Ein weiterer wichtiger Wirkstoff wird knapp: das Antidepressivum Citalopram. Was mit einigen Packungsgrößen und wenigen Herstellern begann, weitet sich rasant auf das gesamte Sortiment aus. Was offizielle Listen zu Lieferengpässen noch nicht abbilden können, ist in Apotheken vor Ort längst spürbar.

Inhaber Dr. Kay Gehrke bemerkte in der Reseda-Apotheke in Berlin kürzlich einen weiteren Engpass: „Es gibt plötzlich auch kein Citalopram mehr. Bei 21 der gelisteten Hersteller kann ich die Stärke 20 mg nicht mehr bestellen. Bei drei Großhändlern ist die große Packung nicht lieferbar.“

Auch wichtige Antibiotika seien schwer zu bekommen, so Gehrke. „Penicillin und Cotrim sind seit Monaten nicht aufzutreiben. Es gibt einfach nichts. Auf Anfrage bei diversen Firmen wurde ich vertröstet, dass man auf nächstes Jahr hoffe.“ Derzeit habe der Apotheker noch ein wenig Vorrat von Citalopram auf Lager. Bei anderen Engpässen kann Gehrke manchmal noch anderweitig aushelfen: „Wenn Patient:innen mit einem Rezept kommen, auf dem ein Medikament steht, welches nicht lieferbar ist, dann können wir zumindest die Packungen stückeln. Mitunter sind nur 50 Stück zu bekommen, aber 100 verordnet. Da geben wir dann zweimal 50 ab. Patient:innen müssen dann zwar eine doppelte Zuzahlung leisten, aber die meisten sind froh, dass sie überhaupt etwas bekommen.“

Kolleg:innen können nicht aushelfen

Auch in seinem kollegialen Umfeld sehe es nicht besser aus, so der Inhaber: „Meine Kolleg:innen brauche ich kaum zu fragen. Meist kommen die Leute schon mit der Aussage, wir seien bereits die vierte Apotheke, die etwas nicht hat, zu uns. Dann können wir allenfalls noch den Arzt kontaktieren und um eine Alternative für das fehlende Medikament bitten.“

„Es fängt klein an und wird immer mehr“

Bevor die Lieferengpässe in den offiziellen Listen des BfArM erscheinen, sind sie bereits in Apotheken vor Ort deutlich spürbar: „Es frisst sich regelrecht durch einen Wirkstoff hindurch. Man kann beobachten, wie es bei einer Stärke oder Packungsgröße anfängt und sich bald durch das ganze Sortiment mehrerer Hersteller zieht.“

Zudem ärgert sich Gehrke über Kontingentierung bei sogenannten Schnelldrehern wie Nasenspray. Normalerweise bestellen Apotheken die Ware in großer Stückzahl auf Vorrat. Aktuell klagt Gehrke aber über eine Limitierung durch den Großhandel. Das passe denkbar schlecht zur Erkältungssaison. Vor kurzem habe es nicht mal Tabletten gegen Halsschmerzen gegeben, Neoangin oder Dolo Dobendan waren nicht verfügbar. Bei den Fiebersäften sieht es immer noch nicht besser aus. Der Inhaber bestellte über
Pharma-Mall Ibuflam: „Der Saft wurde dort endlich mal wieder als lieferbar angezeigt. Ich bekam sogar eine
Bestellbestätigung, habe aber bis heute weder eine Absage noch eine Flasche erhalten. Alles unbezahlte Zeit, die man für die Suche aufwendet und am Ende nicht mal mit Ware belohnt wird.“

Hamstern als Reaktion der Bevölkerung

Das Bewusstsein der Bevölkerung zu den aktuellen Engpässen könnte das Problem verstärken. Derzeit ist in vielen Apotheken deutlich die Panik der Kund:innen zu spüren: Es werden vermehrt Medikamente gehamstert. Die Situation sei ähnlich wie zuletzt zu Beginn der Pandemie, so Apotheker Murat Baskur, Inhaber der Seeapotheke in Konstanz: „In der Apotheke war die Hölle los. Viele Patient:innen kamen mit Mehrverordnungen über die gängigen Arzneimittel.“ Er habe den Eindruck, es sei Panik ausgebrochen: „Eine ähnliche Situation hatten wir kurz vor dem ersten Lockdown. Damals kamen auch sehr viele Leute und haben sich bevorratet.“

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