Notversorgung für die Feiertage

Lieferengpass: Apotheker gießt Paracetamol-Zäpfchen

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Berlin -

Wegen der andauernden Paracetamol-Lieferengpässe beschloss Apothekeninhaber Nojan Nejatian, selbst Schmerz- und Fieberzäpfchen herzustellen. Dabei sei ihm die Notversorgung seiner Patient:innen wichtiger als Geld.

In der Heegbach-Apotheke in Erzhausen wird seit Kurzem an der perfekten Qualität von Paracetamol-Zäpfchen getüftelt. Nejatian fertigte mehrere Test-Chargen an, um eine gleichmäßige Qualität zu garantieren: „Wir haben mit insgesamt 15 Zäpfchen erstmal geprobt und auch ein Zäpfchen aufgeschnitten. So konnten wir die beste Methode herausfinden und sicherstellen, dass der Wirkstoff gut verteilt ist.“

Paracetamol ist nicht verfügbar

Zwar sei zwischendurch immer mal wieder der Fiebersaft mit dem Inhaltsstoff Paracetamol lieferbar gewesen, aber ausgerechnet die Zäpfchen à 125 mg fehlen in der Reihe der verfügbaren Fiebermittel für Kinder. „Wir haben von den niedrig dosierten Supporsitorien mit 75 mg noch ein wenig auf Lager. Die größeren Kinder können auch schon Fiebersaft bekommen. Aber die 125 mg sind schwer zu ersetzen. Da fehlt einfach eine Alternative“, erläutert Nejatian.

Bestellung über WhatsApp

Seit er einen Beitrag zum Angebot des selbst hergestellten Fiebermittels auf Facebook geteilt habe, seien auch schon Bestellungen eingetroffen. „Ich hatte am Anfang des Lieferengpasses Glück und konnte noch 2 kg Paracetamol-Pulver bestellen. Damit haben wir anfänglich den Saft hergestellt. Als das Original wieder lieferbar war, stellten wir natürlich die Produktion ein. Nun kann ich mit dem Pulver die Zäpfchen anfertigen. Die ersten Eltern haben schon welche in Auftrag gegeben.“

„Ich muss keinen wegschicken“

Die per Rezeptur hergestellte Lösung schmecke viel bitterer als das Fertigarzneimittel, und Eltern hätten dann das Orginal bevorzugt, so der Apotheker. Das vorhandene Paracetamol-Pulver könne er jetzt nutzen, um Eltern von Kleinkindern in einer Notlage zu helfen. Verdienen wird er damit nicht viel: „Ich kann mir natürlich auch Besseres vorstellen, als dafür in der Rezeptur zu stehen, aber für mich stehen die Patient:innen im Vordergrund. Eltern mit Kleinkindern muss ich dann nicht wegschicken, sondern kann aushelfen.“

Fünf Zäpfchen für die Feiertage

Mit seinem Team habe er überlegt, wie man die Preisfrage gut lösen könne: „Ich werde kleine Mengen ab fünf bis sechs Zäpfchen anbieten. Das hilft Eltern, um über die Feiertage zu kommen. Wenn die Zäpfchen ohne Rezept gekauft werden, denke ich, dass ein Preis von etwa fünf Euro realistisch ist. Wir wollen in diesen Zeiten niemanden unnötig finanziell belasten. Kommt ein Elternteil mit einem Rezept, auf dem die Paracetamol-Suppositorien als Rezeptur aufgeschrieben sind, kann ich wie bekannt taxieren.“ Nejatian versteht die Anfertigung per Rezeptur als Notversorgung über die Feiertage und gleicht damit die immer noch anhaltenden Lieferengpässe ein wenig aus.

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