Der erste Rezeptmakler Deutschlands

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Berlin -

Der erste Rezeptmakler Deutschlands – so bezeichnet sich der freundlich lächelnde Mann. Das stimmt zwar nicht ganz, denn es gibt natürlich andere – und immer mehr von ihnen werben aggressiv um Kunden. Und zwar unter Apothekern. Gegenüber von fast jeder Offizin oder zumindest in Laufnähe strahlt irgendein Makler von der Plakatwand und bietet fürsorglich seine Hilfe an.

Holger Mattis ist einer dieser Makler. Wir treffen ihn in seinem Büro bei seiner zehnten Tasse Kaffee. Warum der Marktplatz so gestürmt wird? „Weil demnächst das E-Rezept kommt. Dann ist der gute Draht zu den Ärzten noch wichtiger. Dann muss man da sein“, sagt Mattis. Sein Motto: „Sie wollen Rezepte? Da hab‘ ich ein Rezept!“ Er spreche mit Ärzten und Versicherungen und könne helfen, die Rezeptströme in wünschenswerter Weise zu lenken. Sagt er.

Von Arzneimitteln und Apotheken hat Mattis eigentlich gar keine Ahnung, wie er unumwunden zugibt. Er kommt wie viele seiner Kollegen aus der Immobilienbranche. Aber jetzt haben alle Angst vor der Blase und satteln um. „Wer Doppelhaushälfte und 3-Zimmer-Wohnung kann, der kann auch rosa Zettel“, findet Mattis. Sein Geschäftsmodell: Die Krankenversicherung schließt einen Vertrag mit dem Patienten und informiert über diesen die Ärzte. Inwiefern mit sanft-vernehmlichen Regressdrohungen das Anreizsystem noch erhöht werden kann, wollen Mattis und seine Kollegen ausloten.

Die werben alle mit ähnlich begnadeten Sprüchen und Wortspielen: „„Der eMakler – Mein Rezept für Ihr Rezeptgeschäft!“ oder „Wir haben das Rezept. Sollen wir es Ihnen bringen?“ Andere spielen direkt mit der Angst vor der Konkurrenz im Internet: „DocMeins – schneller als der Versand erlaubt“ oder „RezeptDirekt – Wir rauben Holland den Versand.“

„Wir kümmern uns um alles, der Apotheker hat überhaupt keinen Stress“, verspricht Mattis. Lediglich 2,49 Euro pro Rezeptzeile nimmt er. „Immer noch günstiger als Rx-Boni“, so des Maklers Argument. Der Großteil der Provision gehe übrigens an die Versicherung, beteuert Mattis. Die Ärzte müsse er dagegen kaum motivieren, das habe ihn selbst gewundert. Und wenn sich die Apotheke nicht überzeugen lässt? „Tja, dann können die Kunden natürlich weiter ganz normal kommen und ihr Rezept bringen. Gibt ja die freie Apothekenwahl“, gibt der Makler zu. „Aber man weiß ja nie und nur wer rechtzeitig vorsorgt und sich einen Startvorteil verschafft, ist später gut aufgestellt“, sagt er. Die andere Apotheke im Viertel sei auch schon auf der Suche…

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