Kapselzubereitung im Privatkeller

Eilantrag abgelehnt: „Hygienisch untragbare Zustände“

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Berlin -

Jetzt ist es offiziell: Die St.Martins-Apotheke in Jettingen-Scheppach muss schließen. Das Verwaltungsgericht Augsburg hat den Eilantrag von Inhaber Dr. Martin Lyhs gegen den Widerruf seiner Betriebserlaubnis abgelehnt. Vor dem Hintergrund der persönlichen Unzuverlässigkeit werde der Entzug der Betriebserlaubnis aller Voraussicht nach rechtmäßig sein, so das Gericht: Aufgrund „hygienisch untragbarer Zustände“ gehe vom weiteren Betrieb der Apotheke eine Gefahr für die Gesundheit ihrer Kunden aus.

Der Vorwurf gravierender Hygienemängel bezieht sich dabei allerdings nicht einmal auf die Apotheke selbst. Denn im Sommer hatte die Kriminalpolizeiinspektion Neu-Ulm gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) nicht nur den Betrieb durchsucht, sondern auch das Privathaus von Lyhs. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz (AMG), weil er Produkte als Nahrungsergänzungsmittel deklariert, hergestellt und vertrieben hat, die laut Arzneimittelrecht verschreibungspflichtig sind. Dabei geht es konkret um zwei von Lyhs hergestellte Mittel, von denen eines Procain und das andere Roten Reisextrakt enthält.

Die Nahrungsergänzungsmittel hatte er offensichtlich im Keller seines Privathauses hergestellt – „obwohl er dies bis zuletzt bestritt“, wie das Gericht anmerkt. Schon die Herstellung im heimischen Keller ist ein Verstoß gegen die gesetzlichen Vorschriften. Doch noch schwerer wogen die Umstände, unter denen er produzierte: Das Gericht spricht von Staub, Schmutz und beißendem Geruch. Bei der Durchsuchung seien unter anderem eine Kapselfüllmaschine, ein Kompressor, eine Waage, ein Stößel, ein Sieb, Dunstabzüge sowie Gelatine-Leerkapseln und Ausgangs- und Rohstoffe in großem Umfang vorgefunden worden. Außerdem lagen einzelne Kapseln auf dem Boden verstreut, andere auf einer Werkbank. Selbst hergestellte und mit aktuellem Datum etikettierte Arzneimittel wurden ebenfalls sichergestellt.

Doch nicht nur die Herstellungsbedingungen seien unzulässig gewesen, auch der Inhalt der Präparate sei nicht akzeptabel. Statt Nahrungsergänzungsmitteln habe Lyhs bedenkliche Arzneimittel auf den Markt gebracht: Dem Untersuchungsbefund des LGL zufolge haben die Mittel nämlich den Blutfettsenker Lovastatin enthalten, ohne dass er als wirksamer Bestandteil deklariert war. Die Einnahme sei deshalb mit Gesundheitsrisiken verbunden gewesen.

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