Ermittlungen wegen Zubereitungen

Im Schaufenster: Behörde warnt vor Apotheke Tobias Lau, 04.09.2019 10:48 Uhr

Berlin - Es ist ein Alptraum für jeden Inhaber: Das Landratsamt verpflichtet die Apotheke, eine Mitteilung im Schaufenster auszuhängen, die vor der Einnahme von in dieser Apotheke hergestellten Arzneimitteln warnt. Apotheker Michael Lyhs aus dem bayerischen Jettingen-Scheppach erging es am gestrigen Dienstag so. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz, weil er Produkte als Nahrungsergänzungsmittel deklariert, hergestellt und vertrieben hat, die eigentlich als Arzneimittel einzustufen sind. Lyhs verwahrt sich gegen die Vorwürfe und hat einen Anwalt eingeschaltet.

Am Dienstagmittag standen die Beamten vor der Tür. Sie müssten einen Aushang ins Schaufenster packen und die Räumlichkeiten der Apotheke in Augenschein nehmen, erklärten sie dem perplexen Inhaber. Weitere Informationen hätten sie ihm auch auf Nachfrage nicht gegeben, berichtet Lyhs: „Sie haben gesagt, alles Weitere erfahre ich aus einem Brief, den ich in drei Tagen erhalte. Ich weiß effektiv noch nicht, was genau mir vorgeworfen wird.“

Das Landratsamt Günzburg, so der Aushang im Schaufenster der Apotheke, warne „aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes eindringlich vor der Einnahme folgender Defekturarzneimittel“: Procain und Roter Reisschalenextrakt. Mit beiden Ausgangsstoffen hatte Lyhs in seiner Apotheke Präparate hergestellt und als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben. Ab hier gehen die Versionen der Geschichte auseinander: Laut Polizei hat er nicht als solche deklarierte Defekturarzneimittel hergestellt und sowohl über seine St.Martins-Apotheke in Jettingen-Scheppach, deren Filiale, die von seiner Frau geführten Rathaus-Apotheke im selben Ort, und die von seinem Schwager betriebene Stauden-Apotheke in Langenneufnach vertrieben. Auch über den Online-Shop seiner Apotheke habe er die Produkte verkauft.

Und das Landratsamt geht noch weiter. In einer von der Behörde veröffentlichten „Warnung vor selbst hergestellten Produkten aus der St. Martins-Apotheke“ heißt es, „auf Grund der im Rahmen einer Überprüfung der Herstellungsbedingungen vorgefundenen Umstände“ sei auch bei anderen in der Apotheke hergestellten Arzneimitteln „nicht gewährleistet, dass diese nicht bedenklich oder in ihrer Qualität nicht unerheblich gemindert“ seien. „Vorsorglich sollte deshalb auch von der Einnahme anderer, in den drei Apotheken selbst hergestellten und abgegebenen (Defektur-)Arzneimitteln abgesehen werden.“ Lyhs sagt: „Das ist ein betriebswirtschaftlicher Super-GAU.“

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