Entzug der Betriebserlaubnis

Die Defektur im geheimen Gammelkeller APOTHEKE ADHOC, 18.12.2019 10:01 Uhr

Berlin - Die St. Martins-Apotheke im bayerischen Jettingen-Scheppach ist Geschichte. Seit dem 26. Oktober ist der Betrieb von Inhaber Dr. Martin Lyhs geschlossen, weil ihm wegen persönlicher Unzuverlässigkeit die Betriebserlaubnis entzogen wurde. Er versuchte sich noch zu wehren, erfolglos. Das Verwaltungsgericht Augsburg hat nun seinen Beschluss im Streit um den Widerruf seiner Betriebserlaubnis veröffentlicht – und er liest sich wie eine Gruselgeschichte. Bei den Beamten herrscht kein Zweifel daran, dass von Lyhs mit seiner Apotheke eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht.

Geheime Kellerräume unter dem Privathaus, in denen der Pharmazeut unter hygienisch katastrophalen Bedingungen zwischen alter Munition und Betäubungsmitteln falsch dosierte Nahrungsergänzungsmittel herstellt, die noch dazu gegen das Arzneimittelrecht verstoßen: So ließe sich die Beschreibung der Bedingungen zusammenfassen, unter denen Lyhs laut Verwaltungsgericht gearbeitet hat.

Die Details sind indes noch haarsträubender. Am 18. Juli hatten Beamte der Kriminalpolizei mit Unterstützung einer Ermittlergruppe und Pharmazeuten des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) die St. Martins-Apotheke und das private Wohnhaus von Lyhs durchsucht. Der Apotheker stand im Verdacht, vorsätzlich Arzneimittel ohne Zulassung in Verkehr gebracht zu haben. Dabei ging es um zwei Defektur-Produkte, die er als Nahrungsergänzungsmittel deklariert, hergestellt und vertrieben hatte, die aber eigentlich als Arzneimittel einzustufen sind. Denn sie enthalten die verschreibungspflichtigen Wirkstoffe Procain und Roter Reisschalenextrakt.

Was sie dann jedoch vorfanden, hatten die Beamten offensichtlich nicht erwartet: einen geheimen Kellerraum, in dem Lyhs die Präparate hergestellt hat. Demnach befand sich „auf der linken Seite im Kellerflur des Wohnhauses ein Bauernschrank, der den Durchgang zu weiteren Kellerräumen versperrte“. Schob man den Schrank zur Seite, erschien dahinter eine Tür, hinter der eine Treppe in Kellerräumlichkeiten führt. Schon der Abgang muss eine Zumutung gewesen sein: „Bereits in dem Bereich der Doppelgarage wurde von den Durchsuchungspersonen ein intensiver, unangenehmer, süßlich-beißender Geruch wahrgenommen“, so das Gericht.

Der Geruch rührte offenbar vom Fußboden. Den Beamten war aufgefallen, dass „der Boden von einer mehrere Millimeter dicken, klebrig braunen bis schwarzen, undefinierbaren Substanz überzogen war, an der die Schuhsohlen und auch die Schuhüberzieher bei jedem Schritt deutlich festklebten“, beschreiben sie. „Nach einem längeren Stehenbleiben am selben Fleck führte der nächste Schritt unmittelbar zu einem Zerreißen der Schuhüberzieher.“ Insgesamt sei der Raum „von einem noch intensiveren, äußerst unangenehmen, süßlich- beißenden Geruch erfüllt“ gewesen.

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