Das Trump-Projekt: Apotheker greift durch | APOTHEKE ADHOC
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Das Trump-Projekt: Apotheker greift durch

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Berlin -

Es gibt Debatten am HV-Tisch, die hat jeder Apotheker schon geführt. Und es gibt solche, die jeder schon mindestens 1000 Mal hatte. Dazu kommen Streitigkeiten mit den Retaxstellen der Kassen oder eine Auseinandersetzung mit dem Pharmazierat. Ein Apotheker hat sich im Kostümverleih jetzt einfach eine Donald Trump-Perücke gekauft und löst alle Probleme im Stile des US-Präsidenten.

Beispiel Valsartan: Natürlich hat der Rückruf die Patienten verunsichert. Aber der Apotheker hat sehr geduldig erklärt und Infozettel verteilt und jede neue amtliche Bekanntmachung gelesen. Es hat nicht in jedem Fall geholfen. Also, Perücke auf, und frisch behauptet: „Es gibt kein Problem mit dem Wirkstoff. Alles fake news.“ Die Ware komme auch nicht von „diesen chinesischen Dieben“, sondern alles aus heimischer Produktion. Und dann einfach wegdrehen und den nächsten Kunden beraten.

Schließlich muss er sich auch noch um die jüngste Retaxation kümmern. Sonder-PZN vergessen, damn it! Egal, der geübte Trumpotheker diktiert schnell eine Erwiderung: Es gäbe da wohl „a need for some clarification“, wie sagt man, Klärungsbedarf. Auf dem Rezept hätte es heißen müssen „I do have pharmazeutische Bedenken“, nicht „do not“. Damit sollte das wohl erledigt sein.

Oder mit welchen anderen Mitteln hat der Landesapothekerverband Baden-Württemberg (LAV) sonst mehr als eine halbe Million Euro von den Krankenkassen zurückgeholt? Unberechtigte Retaxationen, fake retax. Der Apotheker wünscht sich von seinem Verband, dass er eine große, große Mauer um die Rezeptabrechnung baut und dass die Retaxikaner sie bezahlen.

Ob das auch bei der Noctu-Retax der KKH geholfen hätte? Die Notdienstgebühr wurde nicht erstattet, weil der Arzt das Kreuz vergessen hatte. Jetzt bleibt der Apotheker auf den 2,50 Euro hängen. Das macht ihn nicht arm, aber sauer. Aber wie sagte ein Retax-Heini mal so schön: „Kulanz ist schön, aber ich nehme lieber das Geld.“

Wie soll man aber das Richtige abgeben, wenn der Kunde etwas verlangt, das es gar nicht gibt. Raten Sie mit bei den lustigsten Wünschen am HV-Tisch. Die Bürger wissen übrigens nicht nur wenig über die Namen der Präparate, sondern auch über das Sterben der Apotheken. Hat die Noweda herausgefunden.

Und nun scheint auch der Wachstumstrend bei den Filialen gebrochen zu sein. Die Treuhand Hannover hat sogar herausgefunden, dass jede fünfte Filiale ertragsschwach ist. Da kommt die Forderung der Adexa wie gerufen, für Filialleiter ein eigenes Tarifgehalt zu vereinbaren. Die Apothekengewerkschaft und der Arbeitgeberverband ADA treffen sich am 22. August zur nächsten Runde in den Tarifverhandlungen.

Mit Amazon spricht man lieber nicht über Tarife. Aber in Zukunft vielleicht umso mehr über Arzneimittel. Zwar hat der Bundesgerichtshof (BGH) das Plattformmodell nur für die Taxibranche freigezeichnet, aber alle Feinde der Preisbindung werden die Entscheidung aus Karlsruhe aufmerksam verfolgt haben. Und schon heute sind Amazons Zahlen regelrecht beängstigend.

Was Apotheken im Alltag seit jeher Schweißperlen auf die Stirn treibt, ist die Revision. Warum eigentlich? Wer seinen Laden ordentlich führt und sich an alles hält, hat auch nichts zu befürchten. Kerstin Iversen hat mit Bravour bestanden. Kleiner Startvorteil: Sie ist selbst Pharmazierätin und weiß vermutlich, wonach die Kollegen schauen.

Obwohl: Manchmal ist man ja auch über Kollegen entsetzt: Professor Dr. Fritz Sörgel hat sich klar zum Skandal um das verunreinigte Valsartan positioniert: „Wenn ein Syntheseweg verändert wird, in dem ein anderes Lösungsmittel eingesetzt wird, hätte man als guter Chemiker wissen können, dass eine andere Verunreinigung entstehen kann.“ Oder um es mit Trumps Worten („I have the words“) zu sagen: „They’re bringing drugs.“ Mexikaner, Chinesen, who cares?!

Fair enough. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist kein fanatischer Fan des Rx-Versandverbots. Und gegenüber der Apotheken Umschau hat er jetzt zu Protokoll gegeben, dass er lieber eine faire Regelung für den Markt finden möchte. Und wenn er in den Umfragen jetzt noch weiter abstürzt, kann ihm das vollkommen trump sein: „Any negative polls are fake news.“ Er legt jetzt sein Gesetz vor, in dem es auch um Großhandelsrabatte und Impfstoffverträge gehen wird.

Damit hat Lisa Weitner nichts zu tun. Sie ist neue OTC-Chefin bei Ratiopharm. Seit 18 Jahren im Unternehmen, sukzessive mehr Verantwortung übernommen – die Frau weiß, was sie tut. Oder wie Trump es sagen (wenn auch womöglich nicht meinen) würde: „I have tremendous respect for women.“

Losgelöst vom US-Präsidenten sind die Apotheken derzeit mit dem Lunapharm-Skandal in den Medien. Das Ministerium hat sich erst entschuldigt, dann erste personelle Konsequenzen gezogen. Das Ganze wird uns noch eine Weile beschäftigen. Aber hoffentlich erst wieder ab Montag. Schönes Wochenende!

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